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CLAUDIO GAEBLER
claudiogaebler@fibertel.com.ar
 
Buenos Aires - Argentina

SIGRID FEIERT IHRE 80 JAHRE !

Viel Natur, Puppen, erste Kinderfreundschaft mit Klaus, zusammen im Sandkasten spielend… Am Kriegsanfang ging es Gott sei Dank nach Schlesien, denn die Wohnung in Berlin wurde letztendlich ausgebombt…- Dort entwickelte sich weiterhin die Liebe zu den Tieren –vom Hasen bis zum Eichhörnchen- , den Blumen, dem Wald, sie genoss die schönen Spaziergänge hinaus in die Natur, mit Onkel Hans sucht sie Pilze und natürlich gehörte das Beerenpflücken auch dazu. Sonntags ging es selbstverständlich in die evangelische Kirche, schliesslich brachte es der Vater ja bis zum Vikar und die Mutter spielte auf der Orgel. Abends am warmen Kachelofen erzählte die Grossmutter dann im trauten Halbdunkel Märchen.

Aber da war ja noch der schreckliche Weltkrieg. Der Vater behandelte die französischen Gefangenen zu gut und überwarf sich mit einem Obersten, dies hatte zur Folge, dass er zur russischen Front geschickt wurde, als Pazifist war dies sicherlich das Schlimmste, was ihm geschehen konnte, und so war er denn auch schliesslich verschollen.

Ganz jung, ohne Vater, widmete sich Sigrids Mutter der Arbeit, Sigrid selbst half im Garten und wo sie sich nützlich zeigen konnte, ging in die Schule, und nebenbei kümmerte sich noch um die zwei kleineren Geschwister.-

Mit nur einem kleinen Köfferchen, ohne jegliche Spielzeuge, nicht mal einer Puppe, floh sie mit der Familie bis nach Bitterfeld, wo sie erstmals andere Verwandte aufnehmen.

Nun heisst es, praktisch zu sein, und Sigrid studiert also als Krankenschwester, was sie auch bis zum Abschluss schafft.

Da tritt Horst in Erscheinung (1948), nach 3 Jahren Gefangenschaft in Sibirien (UDSSR), mit aufgeschwommenen Gesicht, der nachher von den Kolleginnen von Sigrid als "Kleiderschrank" umgetauft wird, wenn er vor dem Hospital in Halle in Erscheinung tritt, um mit Sigrid auszugehen. Die grosse Liebe entfacht: erster Kuss ganz hoch oben auf der wackligen Leiter beim Kirchenpflücken –sich zu wehren war ja zu gefährlich, was solls, man musste sich eben in sein Schiksal ergeben-, zweiter Kuss bei einem Ausflug gleich bombastisch nach vielem treppensteigen am Völkerschlachtdenkmal in Leipzig… viel Jazz tanzen gehen, ab und zu in die Oper, meistens in freier Natur…auch viel Schnee kann dem jungen Paar nicht schaden… dann in Horst´s Freundeskreis von der Uni, oder mit dem Künstler Hans Joachim Seidel…alles geht trotz schlimmer Nachkriegszeit seine Wege…

Die ersten Gedichte von Horst werden seiner grossen romantischen Liebe seiner Sigrid gewidmet, dies bleibt auch bis zu seinem Ableben 1991 so…

Als Sigrids Mutter mit Kindern gen Westen flieht, und dann nach Argentinien emigriert, fällt eine der grossen Liebengesten von Sigrid: sie bleibt bei ihrem Liebsten, vielleicht ist es auf nimmer Wiedersehen! Doch bald halten es beide in der grossen Unfreiheit auch in der DDR nicht mehr aus, heiraten schnell und am nächsten Tag wird wieder mit nur einem Köfferchen eine Flucht gestartet, die damals vor der Berliner Mauer usw noch relativ einfach wenn auch nicht ungefährlich war… In Berlin verlebt das junge Ehepaar im Haus einer Tante einige Monate, bis es dann über Hamburg auch mit einem argentinischen Schiff, leider in getrennten Kajüten, über den "grossen Teich" geht. Starke und fremdartige Eindrücke kommen auf die Emigranten zu, Lissabon und Rio de Janeiro werden erforscht, in Montevideo hält man sich dann etwas unplanmässig länger auf, denn in Argentinien gibt´s gerade "Revolution" (eigentlich einer der üblichen Militärputschs). Was? Nun geht man in den fernen Süden, um endlich in Frieden zu Leben, und nun gibt´s hier auch Krieg? Es erweist sich als harmlos und Buenos Aires empfängt sie mit offenen Armen. Und Gott sei Dank geniesst die Familie auch in Zukunft den ersehnten Frieden…

Hier in Argentinien, ohne Titel weder Sprachkenntnisse, muss man sich erst mal durchsetzen, von ganz unten anfangen. Sie arbeiten erst mal auf einer Insel imDelta des Parana, dann behauptet sich Ehemann Horst als Drucker in den deutschen Zeitungen, Sigrid baut eine Hühnerfarm in der Nähe von Gualeguaychu auf, nebenbei reitet sie noch zu den Nachbarn, um Spritzen zu geben, die Kuh muss alltäglich gemolken sein, die Maiskolben müssen geerntet werden…

Aber bald geht es dann über Palomar mit den Wiedemann´s zum wunderhübschen quotenweis abgestotterten Haus mit Garten in Bella Vista im Bereich des Gross-Buenos Aires. 1952 wurde Claudio ("Klaus") geboren, der erste Sohn, nun freier Anwalt (mit Leticia seit 27 Jahren verheiratet, 1960 kam dann noch Karl Heinz ("Mecki") dazu, heutzutage Ingenieur bei Siemens in Europa (mit Raquel vermählt). Ihre Enkel sind Tomas in Argentinien, German und Erika in Deutschland, alle studieren und arbeiten.

Eigentlich träumte Sigrid, einen Förster zu heiraten, aber die Liebe zur Natur entwickelte sich dennoch weiterhin prächtig, bis zum heutigen Tage.

Anfangs passte man auf Häuser auf, Sigrid kümmerte sich auch um andere Haushalte (auch schwanger und kurz vor der Geburt ihrer Söhne), dann wurde sie Sekräterin der Gartenstadt-Schule –nebenbei half sie beim Maria Luisen Kinderheim mit-, während ihr Mann "Gerente" von deutschen Firmen wurde, kurz ging´s zusammen nach Punta Chica, und zuletzt führten sie das Ferienheim Seeblick in Villa Rumipal bis zu ihrer Rente. Beide Kinder wurde, insofern es möglich war, auf deutsche Schulen geschickt…

In Rumipal kümmerte sich Sigrid dann noch rund um die Uhr um ihre Mutter Ingeborg, die erst mit 102 Jahren verstarb, in ihrem schönen Familiensitz am Hang des Berges, wieder umringt mit schönster Natur, Bäume, Blumen, Katze oder Hund, sogar zeitweilig begleitet von Füchsen…

Ihre Ehe mit Horst war lang und glücklich, das harte Leben wurde durchgelebt, wie es ging, man ging zusammen durch dick und dünn. Man las sich viel vor, man hörte klassische Musik, einmal in Jahr wurde die Platte von Faust I von Goethe aufgelegt, man tanzte Jazz mit Freunden, man verlebte die Freizeit ganz besonders mit dem Maler und Architekten Vladi, mit dem Mitbesitzer der Druckerei Merkur, Hans Riecke, und mit den Familien Wiedemann, später gesellten sich dann noch neue Freunde in Cordoba dazu… u. a. Norbert bis heutzutage.

Man reiste ab und zu in Argentinien rum, anfangs waren es die Ferien beim romantischen Haus der Nieburs mitten im Wald in Villa Berna, zu dem es sogar der alte Citroen schaffte, nach vielen Jahren flog man wieder in die Heimat nach Deutschland…

Sigrid hat sich stark im Leben eingesetzt, die Stammgäste Seeblicks erinnern sich noch heute daran, ihre guten Torten, ihre leckeren Essen, ihre Liebenswürdigkeit, ihr Familiensinn…

Der Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer hat es ihr besonders angetan, was ja auch nicht die schlechteste Wahl ist.

Vor kurzem wurde sie in "Migraciones" bei Retiro als die Deutsche Emigrantin des Jahres Gert (siehe unter Photos www.cluberlin.com.ar)

Und nun nach einundhalbjährigen Aufenthalt in Martinez bei seinem grösseren Sohn Claudio, seiner Frau Leticia und Tomas, wo sie u.a. wieder viel gemalt hat, ist Sigrid nun auch glücklich in "Villa Champaqui" in Villa General Belgrano (Provinz Cordoba) bei vielen Freunden und Bekannten gelandet, in Gebirgslandschaft und von schöner Natur umringt, bestens betreut von dem Heimpersonal, im selben Dorf, wo auch ihre Geschwister mit ihrer Familie wohnen.

In Ruhe, bestens aufgehoben, weiterhin sehr aktiv, feierte am 22. Juli Sigrid ihre 80 Jahre mit Familie, Freunde und Bekannte… und wenn Gott will, geht es noch viele Jahre weiter…

KG - 22.7.2011.


CLAUDIO GAEBLER
claudiogaebler@fibertel.com.ar
 
Buenos Aires - Argentina

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