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CLAUDIO GÄBLER
claudiogäbler@fibertel.com.ar
 
Bünos Aires - Argentina

INGEBORG : AUS MEINEM LANGEN LEBEN

Am 13. April 1904 wurde ich in Berlin-Baumschulenweg geboren. Meinen vier Geschwistern wurde erzählt, der Balkon wäre offen geblieben und durch das offene Fenster wäre ein Klapperstorch direkt aus Schweden gekommen und hätte ihnen ein Schwesterchen in die Wiege gelegt und die Mutti ins Bein gebissen. Meine drei Geschwister, die schon in die Schule gingen, erzählten es in ihren Klassen und so kriegte ich den Namen : Ingeborg, das Schwedenkind.-

Baumschulenweg gehört zu der Gemeinde Treptow. Es ist ein sehr schöner Vorort in dem Südosten Berlins. Es ist überall von Wald und Park umgeben und hat die kilometerweite Baumschule, nach der Baumschulenweg seinen Namen bekommen hat.-

Meine Eltern besassen direkt am Baumschulenweg ein grosses Eckhaus. Wir bewohnten davon die erste Etage. Es waren fünfzehn Zimmer, eine Küche und zwei Bäder. Mein Vater war einer der wenigen Ärzte, die schon Invaliden mit Elektrizität bearbeiteten. So besassen wir eine Höhensonne, mit Blaulicht und Rotlicht und hatten ein extra Beleuchtungszimmer dafür. Er war ein sehr gesuchter Arzt. Unser Wartezimmer war Vor- und Nachmittags voller Menschen. Da soviel Arbeit war, half meine Mutter als Assistentin den ganzen Tag. Darum brauchten wir Personal für den Haushalt. Wir hatten eine Köchin, eine Waschfrau und drei Zimmermädchen. Jedes musste fünf Zimmer sauberhalten. Das schönste Zimmer war der Salon. Er war durch einen Erker mit grossen Fensterscheiben erweitert, ein grosser Perserteppich bedeckte den Boden und grosse Plüschmöbel hoben sich wirkungsvoll von ihm ab. An einer Seite stand ein Klavier. Eine Stehlampe besass einen Lampenschirm, den meine Mutter kunstvoll mit Rosen bemalt hatte. Wenn die Lampe leuchtete, leuchteten die Rosen. Meine Mutter war eine grosse Künstlerin in dem Malen. Sie hatte auch vieles unseres Porzellans mit Rosen und Nelken bemalt.-

Meine Eltern waren viel beschäftigt und hatten für uns Kinder nur an Sonntagen Zeit. Dann machten wir grosse Ausflüge mit ihnen und besuchten die 20 Jahre ältere Schwester meines Vaters, Tante Annchen, die ein Landhaus in T ...hatte und einen grossen Obstgarten...Um zu ihm zu gelangen, mussten wir durch einen grossen Kiefernwald gehen. Das war ein Stunde. Wir waren dann sehr froh an der Seite unserer Eltern wandern zu dürfen. Manchmal mieteten wir auch ein Segelboot und segelten auf dem Müggelsee. Mein Vater war ein sehr guter Segler und bei gutem Wind lagen wir scharf auf der Kante.-

Allags waren wir Kinder in einem Garten, der war ein sehr grosser Garten, der hatte Turngeräte, ein Reck, Ringe und eine Schaukel. Sehr hohe Linden standen in diesem Garten. Diese Linden waren mein Lieblingsaufenthalt. Ich kletterte hoch in sie hinein und schlug in de höchsten Zweigen Kaboltz. Wenn mein Bruder Helmut dies sah, dann mahnte er mich :” Kleines, du könntest ja runterfallen ! Mach, das du runterkommst !” Aber wir hatten ein sonst sehr gutes Verhältniss alle miteinander. Um 2 Uhr kamen dann Freunde und Freundinnen in unseren Garten, und es war ein munteres Kindertreiben. Jeder durfte zwei Freunde haben. Meine Freundinnen waren Lotti und Hilda.-

Mit 4 Jahren lernte ich schwimmen. Ich gewann diesen Sport sehr lieb und schwamm sehr gern in der schönen Spree. -

Mein Grossvater väterlicherseits hatte zwei Zimmer bei uns. Er war ein Gutsbesitzer in Therwisch in Ostpreussen gewesen und hatte zehn Kinder ; mein Vater war der jüngste von ihnen. Seine älteste Schwester war zwanzig Jahre älter als er. So waren meine Vettern und Kusinen mi Alter meiner Mutter. Dieser Grossvater hatte eine Frau geborenen Therese von Wenckstern geheiratet, die ihren Stammbaum bis zum Germanenkönig Ingo ableiten konnte. Mein Vater sagte uns :” Lies die Ahnen von Gustav Freytag, dann habt ihr eure eigenen Ahnen. Ich las sie später und sie endeten beim Freiherr von Ingersleben, den wir bei einer Tante kennenlernten.-

In jeden Sommerferien reisten wir an die Ostsee. Wir mieteten ein Wohnhaus bei einem Bruder eines Zigeuners. Der Bruder war Zigeunerhauptmann. Unser Petermann, den wir Onkel Petri nannten, stellte uns ein Haus mit fünf Zimmern zur Verfügung. Die ganze Zeit über verlebten wir nun in Badeanzug und es war schwer, wieder in die städtische Kleidung zu stürzen bei Beendigung der Ferien. Abir wir hatten die Ostsee alle so sehr lieb gewonnen und waren vor und nachmittags in ihr und schwammen alle bald sehr gut. -

Als ich 6 Jahre alt war, kam ich dann in die Schule. Zur gleichen Zeit bekam ich eine Puppenschule, mit der machte ich alle meine mündlichen Aufgaben. So prägten sich die Gedichte fest ein. Noch heute kann ich einige diese Lieder und Gedichte auswendig, sogar in Englisch und Französich machte ich meine Schularbeiten mit den Kindern und Puppen und lernte auch das 1 x 1 besonders gut.-

1910 kam mein Onkel Walter mit einem Auto un ich sah das erste Auto meines Lebens. Er machte mit uns Kindern eine Fahrt in das Zentrum Berlins ; machten eine Pause in dem Restaurant Alt-Heidelberg, wo er schon in der Jugend verkehrt hatte. Es war für uns eine aufregende Angelengenheit. Zwei Jahre später sollte ich dann den ersten Flugkörper sehen : Das Zeppelinschiff. Mein Vater war eingeladen, eine Rundfahrt mit ihm zu machen. Der Pilot war ein Sohn von Freunden von uns, ein wenig später stürzte der Zeppelin ab. Er, der ein besonderer schöne Mann gewesen war, war tot.-

Jedes Jahr machten meine Eltern eine Auslandreise, vorzüglich nach Schweden und Italien. Dann vertrat Tante Grete die Eltern bei uns. Tante Grete machte die Buchhaltung, die ziemlich umfangreich war.-

 Mein Patenonkel war Onkel Ewald, das war der nächstjüngste Bruder meines Vaters. Jedes mal, wenn er zu Besuch kam, brachte er eine Tafel Schokolade mit. Mein Vetter Arnold Retzlaf besuchte uns mit seiner Tochter Annemarie. Mit ihr besuchten wir den Zoologischen Garten. Ich ritt mit ihr auf einen Elefanten und bewunderte einen Chimpansen, der mit Messer und Gabel ass, und genau wie wir es taten, uns auf einen Stuhl un am Tisch sass, und dann an Ringen schaukelte. Sie benahm sich völlig menschlisch. Ich konnte gar nicht aufhörne, sie anzuschaün. Dann gab es auch Eisbären, die an den Gittern hin und her liefen und ich dachte : es ist doch furchtbar, die Tiere so eingesperrt zu haben.-

1912 trat mein Bruder Helmut in den Wandervogel ein. Von da ab machte er grosse Wanderfahrten in das deutsche Land hinein und mein Bruder ging als Küken mit. Er War sehr musikalisch un er hatte eine Guitarre mit bunten Bändern und mit hohen jungen Stimme sang er dazu. Er war der musikalischste und begabteste von uns Kindern. Beizeiten lernte er ausser der Guitarre noch Geige, Klavier und Flöte spielen. Ganz besonders gut war er auf der Geige. Ich konnte gar nicht satt werden, ihm zuzuhören. Seitdem war die Geige mein Lieblingsinstrument.-

Dann brach leider der erste Weltkrieg 1914 aus. Mein Vater meldete sich freiwillig und kam als Stabsarzt nach Küstrin. Auch meine Brüder meldeten sich freiwillig. Helmut trat in das Garderegiment ein, das war das Lieblingsregiment des Kaisers und Ewald trat als Seekadett in die Marine ein. Leider nach einem Monat Krieg bekamen wir die furchtbare Nachricht, dass mein Vater vom Pferd gestürzt sei und sich das Genick gebrochen habe. Es war eine tieferschütternde Nachricht. Wir haben unseren Vater sehr geliebt und waren traurig über diesen schweren Verlust. Es sollte unser Leben gründlich ändern. Mit dem Krieg kam die Lebensmittelbeknappung auf, so verkaufte meine Mutter unser grosses Haus und kaufte in Prerow...mit schönem Buchenwald umgeben. In Prerow war auch eine Landwirtschaft dabei. Ein grosser Gemüsegarten, eine Kuh und ein Schwein und meine Mutter musste zur Hilfe junge Mädchen zur landwirtschaftlichen Schulung einstellen. Es waren junge Mädchen aus den Freundeskreisen. So war auch auch die Schwester meiner Freundin Lotti, Elfriede, darunter. Ich hatte zur Schule einen weiten Weg, musste eine halbe Stunde zum Bahnhof laufen und hatte dann noch eine Stunde Bahnfart. Der Zug ging erst um fünf Uhr zurück. So kam ich erst um sieben Uhr jeden Tag nachhause. Zur Bahn in der Ostsee blieb mir nur der Sonntag. Aber ich bekam Klavierunterricht von Elfriede. In den freien Abendstunden sass ich dann meistens noch am Klavier und spielte und sang sehr gern Volkslieder. Wir freuten uns dann, wenn meine Brüder mal auf Urlaub kamen. Die hatten beide 1917 zusammen einen Urlaub und das wurden frohe Wochen. Meine Brüder sahen sehr gut aus. Sie waren beide Leutnants und sahen sehr schmuck aus und tanzten mit unseren jungen Mädchen. 1917 kam auch eine Verwandte von uns mit demselben Urgrossvater wie wir. Das war ein Gesandter von Deutschland in der Türkei und hatte eine Sultanstochter geheiratet. Marianne de Boille war Kunstmalerin und malte mich mit einem rosa Kleid mit langen Zöpfen. Die Zöpfe waren so lang wie mein Kleid. Es wurde in dem Louvre von Paris ausgestellt. 1918 bekamen wir die furchtbare Nachricht, dass mein Bruder Helmut verwundet mi Lazarett läge. Wenig später schrieb uns eine Krankenschwester, dass ihm das Bein amputiert und er gestorben sei. Noch ganz bis zuletzt hatte er Guitarre gespielt. Er war der Sonnenstrahl des Lazaretts gewesen ud alle waren tief betrübt diesen fröhlichen Menschen nicht mehr zu haben. Uns traf die Nachricht niederschmetternd.-

1918 war der Krieg für Deutschland verloren. Die Kommunisten wüteten in dem Lande. Mein Bruder Ewald kam mit dem Leutnant Baron Von Rieckow und waren von den Kommunisten geflüchtet. Sie blieben einige Wochen bei uns, um sich etwas zu erholen. Dann stellten sie sich freiwillig dem Frei...was gegen die Kommunisten in Berlin kämpfte. Wieder waren sie in Gefahr.-

Alle ihre Kinder waren auswärts : meine Schwester Heidchen war landwirtschftliche Führerin in N.... am Rhein, Trauti war Koch und Handarbeitslehrerin in Altona bei Hamburg. So waren meine Mutter und ich allein. Da verkaufte sie Prerow und wir mieteten eine Wohnung in unserem alten Haus in Berlin, das fünfzehn Zimmer hatte. Mit uns wohnte mein Bruder Ewald, der oft noch in unserer Strasse mit den Kommunisten kämpfte. Ich besuchte noch ein Jahr in Treptow das Lyceum und beendete es mit dem Reifezeugniss.-

 Wir machten dann mit unserem Studienrat eine wunderbare Wanderung durch den Thüringer Wald. Das ist ein hügeliges Land mit sehr viel Mischwald bewachsen. Wir kamen auch nach Weimar und besuchten das Gartenhaus Göthes. Ich sah das Tintenfass, wö er seine herrlichenn Werke geschrieben hatte. In Eisenach besuchten wir die Gedänkstätte Luthers. Ein Jahr zuvor hatte ich ich eine wunderbare Wanderung mit den Wandervogel gemacht. Das war um die Insel Rügen herum. Rügen besteht aus lauter Kreidefelsen, die heben sich in weisser Schönheit von der blaün Ostsee ab. In dem Hintergrunde ist der dunkelgrüne Buchenwald. Wir sind vierzehn Tage rumgewandert. Es war ein sehr schönes Erlebniss.-

Dann kam die grosse Inflation nach Deutschland und wir mussten alle arbeiten. Ich ging in die Mitteldeutsche Kreditbank. Da gingen die Ziffern bis in die Quadrillonen. Diese zu buchen und zu verrechnen war eine grosse Mühe. Als ich das zwei Jahre gemacht hatte, tanzten mir die Buchstaben vor den Augen und ich musste mir eine andere Arbeit suchen. Ich fand diese in einem Kindersanatorium in Salzwedel. Dort war ein Gradierwerk aufgestellt mit Reisig, wo Salz entlangfloss. Ich hatte eine liebe Kollegin, die Tante Annchen hiess. Wir gingen mit den Kindern aus Magdeburg stundenlang an diesem Gradierwerk auf und ab. Nach jedem Kinderausflug bekamen wie drei Tage frei. Dann durchstreiften wir beide kreuz und qür den Harz. Wir genossen die Bächlein und Flüsse und es ging bergauf und bergab und wir waren oft auf dem Brocken und schauten in das schöne Land hinein. Dann wollte ich meine pflegerischen Kenntnisse auch Erwachsenen zukommen lassen, und trat 1927 in das rote Kreuz in Lankwitz ein. In Berlin war eine Grippeepidemie ausgebrochen und es wurden Notbaracken aufgestellt und da hatten wir Lernschwestern alle Hände zu tun. Tagsüber arbeiteten wir an die zehn Stunden und machten dann noch Extranachtwachen. An freie Tage war gar nicht zu denken. Als die Grippe abebbte hatten wir etwas mehr Zeit. Da konnte ich manches Freibillet von meiner Freundin Lotti ausnützen, die Obersängerin geworden war und mir ab unz u ein Freibillet schenkte. Wir mussten als Schwestern um zehn Uhr in dem Bett liegen. Da gab es eine Hausschwester, welche die Tür abschloss. So stellten mir meine Mitkolleginen ein Stuhl ans Fenster und durch das geöffnete Fenster konnte ich dann auch mal nachts um zwölf wieder einsteigen, denn ich hörte von Herzen gern Opern, die ich durch Lotti sehen durfte. Musik war immer etwas, was ich sehr liebte und was mich mein ganzes Leben begleitete. Ich selber hatte Klawier spielen gelernt undkonnte auch zu der Gitarre singen.-

1929 machte ich dann mein Schwesternexamen. Nun bekamen wir einen Roten-Kreuz-Streifen um die Haube und bekamen einen Erholungsurlaub von vierzehn Tagen. Ich bat meine Mutter, mich ins Riesengebirge zu begleiten. Bis Hirschberg benützten wir einen D-Zug. Dann benützten wir eine Bergbahn. Was sich uns jetzt bot, war so bezaubernd schön, das Riesengebirge war völlig beschneit, die hohen Tannen waren mit tiefem Schnee bedeckt. Ich guckte durchs Fenster und staunte in diese herrliche Bergwelt hinein, konnte mich gar nicht satt sehen. In der letzten Station (Stritterhäuser) an der tschechischen Grenze stiegen wir aus. Dort erwartete uns der Sohn der Baude, in die wir wollten, mit einem Hörnerschlitten. Er nahm Platz, meine Mutter nach ihm un für mich war nur noch ein Stückchen übriggeblieben. Nach der zweiten Kurve flog ich von diesem Schlitten. Da rauschten denn die beiden hinab und ich stand alleine mi verschneiten Walde. Aber ich war wohlgemut, hatte das Herz voll Sonne und freute mich an der Pracht der schönen Bäume. Nach einer Stund kam Georg mit dem Hörnerschlitten wieder zurück uns sagte :”Entschuldigen Sie mich bitte, ich hatte gar nicht gemerkt, das ich Sie verloren hatte.” So fuhren wir , ich denn auch mit ihm hinunter. Da ich so viel Freude an der verschneiten Natur hatte, schenkte mir meine Mutter vorträglich zum Geburtstag Schneeschuhe. Jetzt wurde Georg mein Skilehrer. Jede freie Stunde, die er erwischen konnte -denn er half bei seinen Eltern in der Baude- widmete er mir und ich war eine gelehrige Schülerin. Bald lernte ich die “Balanze” auf den langen Brettern halten und freute mich, wenn es sausend bergab ging. Es war ein grosses Lustgefühl, auch wenn ich heute noch daran denke, wie es herrlich berab ging. Ich spielte auch gerne Klavier. So sass ich und spielte Klavier und sang dazu “Entchen zu Tarau”. Da kam Georg, nahm meine Hand vom Klavier, und steckte mir einen goldenen Ring mit einem Rubin an die Hand und sagte :”So, ich habe Dich sehr lieb gewonnen. Das ist unsere Verlobung !” Ich schnellte auf, umarmte und küsste ihn, denn auch ich war verliebt in diesen frischen, fröhlichen Jungen. Noch drei Tage blieben uns, dann mussten wir Abschied nehmen. Aber Georg versprach, uns nach Berlin nachzukommen.-

Georg hielt dann auch getreu sein Versprechen und kam dann auch ein halbes Jahr später nach Berlin und bekam eine Anstellung in der Landesversicherungsanstalt. Aber die Stellung alleine genügte ihm nicht, er arbeitete daraufhin, eine Beamtenprüfung zu machen. Ich arbeitete als Vollschwester noch ein Jahr und in dem Operationssaal als Narkosenschwester. Es war ein sehr verantwortungsvolles Amt, jeder Tropfen hätte den Tod des Patienten bewirken können. So war ich also sehr konzentriert bei meiner Arbeit. Nach einem Jahr hatte Georg seine Prüfung bestanden und sagte : ”Nun können wir heiraten !”

1929 haben wir standesamtlich am 30 November geheiratet und einen Tag später fuhren wir nach Hirschberg und liessen uns in der evangelischen Kapelle in Oberschreiberhau traün. Von Hoffnungstal nach Oberschreiberhau machten wir eine Schlittenfahrt von zwei Stunden durch den wiederum verschneiten Wald. Es war wie ein Hochzeitsgeschenk. Meine Schwiegermutter lag mit einer Venenentzündung in dem Bett, so stellten wir unsere Stühle rund um ihr Bett, aber es bedurfte keiner Feier, wir waren in dem Herzen so tief glücklich.-

Nach einer Woche kehrten wie dann nach Berlin zurück und mieteten eine Wohnung am Treptower Park.

Nach einem Jahr, 1931, am 22. Juli, wurde unsere Tochter Sigrid geboren. Es war eine schwere Geburt, denn sie daürte dreissig Stunden und endete in einer Eklampsie. Ich war ganz blau am Körper und unser Kind kam mit einer grossen Beule am Kopf zur Welt. Georg schenkte mir einen grossen Rosenstrauch. Nun war ich geschwächt nach der Geburt, so dass meine Mutter die wirtschaftliche Hausführung übernahm. Sie blieb dann zwei Jahre bei uns.

1933 bekam Georg die Versetzung in eine Jugendheilstätte der Landesversicherungsanstalt. Wir bekamen ein Beamtenhaus in einem Kiefernwald mit einem grossen Garten und einer Sandkiste. Schnell fand sich eine kleine Freundin vom Nachbarnhaus als Spielgenossin für unsere Tochter Sigrid und die beiden Kinder waren stundenlang in dem Sand beschäftigt. Zu uns kam ein langjähriger Freund von Georg, Erhardt Warteneck, er war metaphysicher Schriftsteller, ich tippte ihm seine Arbeiten mit der Schreibmaschine und wir unterhielten uns nach dem Abendbrot bis in die Nacht hinein über theosophische und metaphysiche Möglichkeiten. Georg gewann an diesem Gefallen und wollte nun selbst Theologie studieren. -

1935 wurden wir wieder nach Berlin versetzt. An einem Urlaub, in Oberschreiberhau, in unserem geliebten Riesengebirge, wurde unsere Tochter Swantje geboren. Dieses Mal wurde es eine leichte Geburt. Ich lag erster Klasse in einem katholischen Heim, wurde von freundlichen Nonnen bedient, ein sehr geschickter Arzt half mir bei der Geburt. So war das Kind in zwei Stunden da. Jeden Mittag kam Georg und las mir selbstverfasste Verse zu dem Thema Zarathustra vor. Ich war ganz überrascht, über diese neü Kunst meines Mannes. Es waren tiefglückliche Stunden. Ich hatte das Fenster weit geöffnet , die Wände waren hehllblau gestrichen, ich kam mir vor wie in einem Himmelreich. Nach den Tagen verliess ich das Heim und wir kehrten nach Berlin zurück und mieteten nun eine Wohnung in Berlin-Oberschönenweide, die wiederum einem Park gegenüberlag. Wir hatten Freundschaft geschlossen mit dem Dichterehepaar Friedrich Eckehardt und Lisa Bartenwinkler. So wollten wir in Ihrer Nähe sein und wechselten unsere Wohnung nach Schulzendorf . Das war vollkommen in dem Walde und wunderschön gelegen. Nun hatte Georg aber beschlossen, Theologie zu studieren und es war denn doch zu weit ab mit der Zeit, so dass wir nach zwei Jahren nach Berlin-Wittenau zogen. Dort hatten wir ein sehr hübsches Haus mit einem Garten. Sigrid ging nun schon in die Schule.

 1938 wurde in Berlin-Moabit unserer Stammhalter Helmut geboren. Georg war sehr erfreut über den Stammhalter und Georg schenkte mir eine goldene Kette mit einem Kreuz von Rubinen. Wir nahmen eine Haushaltshilfe, weil nun drei Kinder vorhanden waren, die hiess Ursula. Sie war aber gar keine Hilfe, sie war vor 10 Uhr nicht aus dem Bett zu kriegen, und war mehr eine Belastung. Wir waren froh, als ihr Jahr vorüber war.

Leider brach dann 1939 wieder ein Krieg aus. Mein Schwager Hans hatte eine grosse Gärtnerei in Blumendorf in dem Isargebirge mit dazugehörigen Wiesen. Georg hatte Angst, dass bald feindliche Flieger über Berlin kämen und wollte uns sicherstellen. So brachte er uns nach Blumendorf in dem Isargebirge. Wenig später kamen meine Schwiegereltern. Georg blieb nur einige Tage. Er wurden dann auch bald Soldat und musste französiche Gefangene in Berlin überwachen. Aber während dieser Zeit machte er noch nebenbei seine erste theologische Prüfung und wurde Vikar. Leider war dann 1940 seine erste Amtshandlung die Beerdigung seines Vaters. Das war wieder ein schwerer Verlust. Er war mir ein sehr liebevoller verständnissvoller Schwiegervater gewesen. In Blumendorf gab es harte Männerarbeit zu leisten. Es war eine harte Erde, die ich stundenlang umzugraben hatte, an Seite der Anneliese, die ein Hausmädchen war. Auch schwere Giesskannen musste ich schleppen, die ich mi Bach schöpfen musste. So hatte ich jeden Tag Rückenschmerzen. Ein Festtag war, wenn einer der Söhne auf Urlaub kam. Dann war ein Soldat gekommen. Es gab ein Festessen. Wir waren alle sehr erfreut, wieder einen Soldaten unter uns zu haben und ihn bewirten zu können. Aber leider daürte das nur immer wenige Tage.

1943 kam dann die furchtbare Nachricht, dass unser Haus in Wittenau von einer Bombe vollkommen zerstört war. Georg bekam einen vierwöchentlichen Bombenurlaub. So standen wir auf den Trümmern unseres Hauses. Wir umarmten uns und sagten : “Gott sei Dank sind wir noch am Leben. Gott sei Dank haben wir beide uns noch.” Wir blieben 10 Tage in Berlin. Jede Nacht war Fliegerangriff und wir mussten in die Bunker. Ein ergreifender Gottesdienst erlebten wir in den Kellern des Doms. Dort predigte der Domprediger Döring. Das war ein Lehrer Georgs gewesen. Es war eine unvergessliche Predigt. Wir hatten unser Klavier und eine Bücherkiste gerettet. Diese schaffften wir nun nach Blumendorf. Von Blumendorf aus fuhren wir nach Breslau. Dort legte Georg seine zwiete thelogische Prüfung ab und wurde nun Pfarrer. Georg sagte, dass bald der Krieg zu enden sein würde und dann würde er versuchen, eine Pfarrstelle in Schlesien zu bekommen, in den lieben, lieben Bergen und dass wird eine wunderschöne Zeit für uns sein. Wir klammerten uns beide fest an diesen Gedanken.

Am Weihnachtsabend 1943 war sein Urlaub beendet und ich musste ihn nach Görlitz begleiten. Es war die traurigste Weihnacht, die ich je in meinem Leben erlebt habe. Zwei Stunden fuhren wir, hielten uns tiefergriffen an der Hand und sagten kein Wort mehr. Auf dem Görlitzer Bahnhof standen zwei hohe Tannen, geschmükt in dem Lichterglanz. Dann war ein langer ein langer Zug eingefahren, der Soldaten enthielt, die alle nach Russland mussten. Georg war nun nicht mehr in der Gefangenenbetreung, sondern in dem Partisaneneinsatz in Russland. Das war ein sehr schweres Gefühl für mich, ihn in eine Gefahr hineinzuschicken. Er winkte, bis der Zug um die erste Biegung verschwand. Da war es mit meiner Fassung aus. Ich sank auf eine Bank nieder und weinte, wie ich noch nie in meinem Leben geweint hatte. Ich war völlig fassungslos. Einige Züge gingen vorüber eh ich mich zusammennehmen konnte und in einen einsteigen konnte. Zuhause warteten noch die Kinder und meine Schwiegermutter und erwarteten eine Weihnachtsfeier. Also riss ich mich zusammen. Als ich angekommen war, spielte ich alle Weihnachtslieder auf dem Klavier und wir sangen noch mit den Kindern. Aber meine Herz machte die Reise mit Georg mit : ich konnte mich nicht von ihm trennen. Dann kam der Alltag wieder mit harter Arbeit.

Da kam dann Pastor Kamon aus einer Nachbargemeinde aus Weesen. Er sagte, sein Küster wäre eingezogen worden und ob ich nicht die Stelle eines Organisten übernehmen würde. Ich sagte ihm, ich könne nur Klavier spielen, ich hätte ja noch nie an einer Orgel gesessen. “Ach”, sagte er, “sie werden das schon lernen”. Für mich war es wie ein Himmelswillen. Eine Orgel war das richtige für mich. Es war eine Arbeit, wo ich mich völlig konzentrieren musste. So sagte ich ihm zu, wir packten meine und der Kinder Sachen und wir übersiedelten nach Wesen. Da gab es nun sehr viel zu tun und zu üben, bis ich die Choräle begleiten konnte. Aber es gelang mir. Auch in Nachbarorten spielte ich, und wir marschierten oft stundenlang in diese Nachbargemeinden. Pastor Kamon mit seiner Frau Traute wurden mir sehr lieb und gute Freunde. Wenn die Kinder zu Bett lagen, waren wir noch in tiefe Gespräche vertieft.

Dann kam eines Tages die Nachricht, dass Georg vermisst sei. Jetzt hatte ich keine Tränen mehr. Ich hatte sie alle beim Abschied geweint. Aber an der Orgel fand ich denn dann doch wieder Trost, ich hatte ja einen vollen Einsatz zu leisten.

In dem Januar 1945 kamen dann die Russen nach Oberschlesien. Wir glaubten nicht, das auch uns dieses Schicksal erreichen würde, aber in dem Februar 1945 mussten auch wir uns trennen von den sehr lieben Freunden und mussten mit dem letzten Zug, der aus Schlesien fuhr, fliehen. Meine Mutter floh mit uns. Nach stundenlanger Umfahrt kamen wir dann nach Dresden. Das war ein erschütternder Anblick. Von allen Seiten waren Flüchtlinge mit ihrer letzten Habe gelandet. Unser Ziel war das Krankenhaus Bitterfeld, in dem mein Schwager als Direktor tätig war. Als wir um 6 Uhr ankamen waren meine Schwester und mein Schwager tief erschüttert über unseren Anblick. Sie gaben uns ein grosses Zimmer zur Verfügung. Dort blieben wir einige Wochen, bis ich uns selbständig machen wollte. Ich nahm an einem Lehrerkursus teil. Da musste ich schwer arbeiten geistig, um wieder alles zu wissen, besonders Pyhisik, Chemie, vielen mir nicht ganz leicht. Auch musste ich Russisch lernen. Nach dreimonatlicher Ausbildung wurde ich in Brena eingesetzt. Ausser dem täglichen Unterricht musste zur weiteren Ausbildung jeden Tag nach Bitterfeld fahren. Nur zehn Minuten blieben mir zum Mittagessen und abends, wenn ich nachhause kam, musste ich mich vorbereiten für den Schuldienst am nächsten Tag. So war es eine sehr arbeitsreiche Zeit und ich hatte alle Gedanken zusammenzunehmen.

1946 waren auch die Kohlen knapp und es gab wenig zu essen. Ich gab dann auch noch Nachhilfeunterricht und bekam dann bei den Baürn manchmal ein Stückchen Butter und ein Paar Eier. Vom nahen Bergwerk hackten wir uns dann selbst die Kohle ab. Meine älteste Tochter Sigrid half uns fleissig dabei und wir zogen dann ein Wägelchen mit selbstgehackter Kohle nachhause.

1947 war meiner Tochter Swantje sehr Elend geworden und ich schickte sie zu einer Kusine in der Schweiz. Dort blieb sie ein Jahr lang. Sie schickte uns von dort manchmal ein Lebensmittelpäckchen.

 1948 bekamen wir dann den überraschenden Besuch eines Freundes von meinem Neffen Peter. Das war Horst. Er wollte die “Ama” besuchen, meine Mutter. Sigrid machte ihm auf, die inzwischen 17 Jahre und ein sehr hübsches Mädchen war. Wir Lehrer hatten Kirschen zu pflücken, aber ich hatte sehr wenig Zeit. So beauftragte ich die beiden, für mich das zu tun. Sie taten das denn auch und verliebten sich ineinander. Horst kam dann oft zu uns und meine Mutter sagte :”Er wird doch wohl nicht immer mich besuchen wollen. Ich glaube, er hat Feür gefangen bei unser Kleinen.” So war es dann auch.-

Wir Lehrer bekamen dann auch noch den Auftrag, politische Reden zu halten. Das ging mir ganz gegen meine Natur, denn ich war mit dem politischen Programm der SPD nicht einverstanden.

Meine Schwester Heitchen war mit ihrer Familie nach Argentinien gefahren und 1950 schrieb sie mir, ob wir nicht nachkommen wollten. Ein Freund von ihnen hätte ein Bild von mir gesehen, einige Photos und würde sich für mich interessieren. Da die Arbeit nicht sehr befriedigend war in Brena, nahm ich diese Angebot an und leider wurden nur zwei Pasaggen bezahlt, so konnte ich erst nur mit dem Helmut fahren. Es gab einen schweren Abschied von Sigrid, Swantje begleitete uns noch nach Hamburg und führte uns ein halbes Jahr noch unsere Wirtschaft. Ein halbes Jahr arbeitete ich dann noch in dem “Zeit”-Verlag meines Bruders, der diesen Verlag mit einem Sozius zusammen besass. In diesen Monaten, die mir noch blieben, gingen wir viel in eine hamburger Kirche, wo es sehr schöne Konzerte gab.

Im Anfang des Monats Dezember 1950 bestiegen wir das Auswandererschiff “Entre Rios”. Der Abschied von meinen Geschwistern und meinen Kindern tat mir sehr weh. Ich hatte nur meinen zwölfjärigen Sohn Helmut an meiner Seite. Auf dem Schiff war es eine sehr grosse Enttäuschung, dass wir zu 200 in einer Kabine waren. Aber ich bekam eine Luke und bekam durch diese frische Luft und mein kleiner Helmut musste in dem Männersaal übernachten. Aber ich gewann sehr liebe Freunde. Ein Studienrat Lein und der kümmerte sich dann um meinen Sohn und mit der Traute Lein war ich sehr innig befreundet. Um die ganzen Stunden, die wir an Bord verlebten, waren wir unzertrennlich zusammen.

Nach drei Wochen dieser Fahrt kamen wir in Bünos Aires an. Da holten uns dann Helga und Peter, Neffe und Nichte, und Kinder von Heitchen, ab. Meine Schwester war auf eine Urlaubsreise in Bariloche. Nach einigen Tagen kamen sie zurück, es gab eine kräftige Umarmung, dann fuhren wir am 1. Januar 1951 mit der Galofre in den Brazo Chico. 8 Stunden daürte diese Fahrt. Sie gefiel mir sehr gut, denn die Ufer waren bewaldet. Wir kamen bei Gustav ... an. Ich hatte den festen Willen das beste aus meinem neün Leben zu machen, in einem neün Land in ein neüs Leben hinein und es sollte nun wieder schön werden. Gustav...entsprach nicht ganz meinen Vorstellungen. Ich hatte Photos von ihm bekommen, die ihn viel jünger darstellten unter Palmen in weissen Anzug. Aber er sollte mein Freund werden. Wir sangen zusammen Volkslieder und durch die Musik näherten wir uns. Auch hatte er eine grosse Bibliothek und las mir oft aus dieser vor. Ich arbeitete viel in dem Haus und Garten und nachmittags schwamm ich in dem gelben Wasser des Brazo Chico, hatte auch “lanchafahren” gelernt und freute mich, durch die Landschaft steürn zu können.

1951 hatte ich dann die grosse Freude, meine Töchter und mein Schwiegersohn - Sigrid hatte natürlich Horst geheiratet- herüberkommen zu lassen. Gustav hatte mir damals den grössten Wunsch meines Herzens erfüllt, als ich in Bünos Aires meine lieben Kinder von der “Maipu” abholen konnte war ich mal wieder restlos glücklich. Dann waren wir eine Zeit lang alle zusammen auf unserer Insel. Nach einigen Monaten wollte aber Horst ein selbständiges Leben füren, fuhr ab nach Bünos Aires. Sigrid folgte ihm etwas später.

Swantje lernte 1952 einen “Isleño” der Nachbarschaft kennen, tanzte erst viel mit ihm und heiratete ihn 1953.

 Aber 1952 wurde in Bünos Aires mein erster Enkel Klaus geboren. Zu diesem freudigem Ereigniss fuhr ich nach Bünos Aires. Ich freute mich sehr an dem süssen kleinem Menschenkind und meine erste Fortsetzung in die dritte Generation. Ich blieb eine ganze Weile in Bünos Aires und hatte meine Freude an diesem ersten Enkel.

1953 kam dann Irina zur Welt. Ich brachte Swantje mit einer “Lancha” zum Arzt. Es war eine leichte Geburt. Irina kamm dann des öfteren als Baby zu uns gereist. Sie wurde in dem Körbchen abgegeben in einer Insel und ich nahm sie auf dem Landungssteg wieder in Empfang. Sie blieb oft viele Wochen bei uns, bis sie wieder abgeholt wurde von ihren Eltern. Wir hatten einen grossen Baumschlag gehabt, der uns für mehrere Jahre den Lebenseertrag geben sollte.

1954 kam dann ein Riesenhochwasser, schwämmte alle Stämme hinweg. Da bekam Gustav einen Nervenschock und erschoss sich.- Nun ging Helmut nach Bünos Aires und wollte eine Lehrstelle haben. Ich war jetzt allein auf der Insel.

Ich nahm Gäste auf und 1955 war unter diesen Gästen Viktor...Wir freundeten uns und spielten zusammen. Schach und Skat und er half mir beim Abtrocknen und erwies sich als netter Freund... Wir verkauften die Insel und übesiedelten nach Gualeguaychu. Das war eine “Chacra” von 6 Hektar, enthielt zwei Häuser und einen grossen Hünerstall, wir hatten ein Pferd, eine Kuh und Hüner, was alles reichlich für uns war, kamen dann Horst und Sigrid und halfen uns einundhalb Jahre, bis Horst dann wieder ein eigenes Leben vorzog und Sigrid folgte ihm dann nach einigen Monaten. Wir hatten danach ein Haus ganz am “Rio” gekauft, ein kleines Landhaus.

Da kam 1958 wieder ein Hochwasser. Wir konnten nur mit Mühe unser eigenes Leben retten. Wir wohnten dann ein para Tage auf der anderen trockenen Seite bei Freunden und fuhren dann nach Cordoba, wo wir dann in den Bergen ein Haus kauften in Villa General Belgrano. –

In dem Jahre 1960 schrieb mir meine Schwester Trauti, dass unsere liebe Mutter in dem Altersheim in Köln verstorben sei. Ich hatte meine Mutter 10 Jahre nicht gesehen, aber wie waren in regem Briefwechsel gewesen, sie hatte mir viele Photos geschickt und so traf mich diese Nachricht wie ein harter Schlag. Ich hoffe, dass sie in einem schönen Jenseits für alles gelohnt werde was sie mir an Liebe und Fürsorge in dem Leben gegeben hat. In diesen Jahren bekam ich auch die Nachricht, dass mein Schwager Willi...gestorben sei. Er war mitten beim Tennisspielen umgefallen und ganz unerwartet tot. Neben all diesen schrecklichen Nachrichten kam dann das freudige Ereigniss der Geburt meines dritten Enkels...in Palomar, Karl Heinz, immer Mecki genannt. Ich fuhr nach Bünos Aires, um mein drittes Enkelkind zu begrüssen und um meiner Schwester zu kondolieren und das Leid um unserer Mutter zu teilen. Einige Tage blieb ich dann in El Palomar und fuhr dann 14 Tage zu Heidchen. Ich nahm sie in die Arme und wir begrüssten uns gegenseitig. Sie hatte am 5. September ihren 60. Geburtstag. Den beging ich mit ihr und weil soviel Traür war kamen ihre Kinder und es wurde keine Feier gemacht.-

1961 wurde dann Olaf geboren, der Sohn von Swantje. Wieder hatte ich einen neün kleinen Ehrenbürger zu begrüssen. Helmut war in einem Kunstatelier eingetreten und machte sehr schöne Sachen aus Kupfer und Bronze wie Schalen, Becher, Vasen, kleine Eimer, es waren wunderschöne Gegenstände, die er zu machen lernte. Swantje hatte sich zwanzig Minuten von uns entfernt in einem Haus eingemietet. Helmut wohnte bei uns. Mit Viktor liebte ich es, abends nach dem Abendbrot vor der Tür zu sitzen, und in den Sternenhimmel zu schaün und uns zu unterhalten. Eines Abends sahen wir in dem Westen eine Scheibe, eine grosse Scheibe grösser als ein Vollmond, in gelben-roten Lichtern aufleuchten. Wir stiessen uns an und sagten :”das ist ein UFO”. Ich rannte ins Haus, wo Helmut an einem Brief schrieb und wollte ihm das Wunder zeigen. Als er ankam war alles alltäglich und nichts mehr war zu sehen. Helmut ärgerte sich, dass er in dem Zimmer gewesen war und das nicht gesehen hatte. Ein Freund von ihm kam aufgeregt angerannt und fragte :”habt ihr das UFO gesehen ?” Wir bejahten es, aber Helmut war ärgerlich, dass er nicht dabeigewesen war. Auch in den Zeitungen kam das Ereigniss heraus.-

In Belgrano gewann ich liebe Freundinen. Es waren Ilse Seyfahrt und Sandra Ehrich.Ilse hatte acht Kinder, 7 Söhne und eine Tochter, die zu einem Bierfest die Schönheitskönigen des Ortes wurde. Sandra hatte 2 Töchter, Trixi und Eino. Trixi war verheiratet mit einem Mann, der 60 Jahre älter war als sie. Sie hatte in ihrem Living einen Webstuhl und machte Teppiche und Brücken, sehr geschickt und schön. Ich erwarb einige dieser Brücken.-

1961 kauften Sigrid und Horst ein schönes Haus in Bella Vista. Es war von einer Galerie umgeben und hatte einen Garten. Auch Olaf, Swantjes Mann, kaufte in San Vicente ein Haus und bald zog Swantje mit ihren Kindern nach San Vicente. Helmut wohnte noch einige Zeit nach uns. Als wir dann anfingen auf die Reisen zu gehen, zog Helmut zu unserer Freundin Trixi um, denn wir fast nie in dem Hause. Wir machten wunderschöne Reisen und das war das allerschönste mit Viktor. Auf diesen Reisen war er wie umgewandelt. Er war der liebenwürdigste und der galanteste Mann, den man sich vorstellen konnte. Er nannte mich dann sein Schlummsi-Bummsi und meinte das seien hundert Liebeswörter. Wir machten eine Fahrt nach Mendoza und fuhren bis wo der ewige Schnee anfängt. Von dort sahen wir viele Berggipfel, voller Schnee. Die Insassen des Omnibusses waren so begeistert, dass eine Schneeballschlacht begann. Wir fuhren auch nach Purnamarca und sahen die bunten Berge Argentiniens. Andere Reisen machten wir in die Weingegend San Juan, La Rioja, Mendoza, Tucuman, nach Salta und auch nach Posadas. Von dort aus fuhren wir mit dem Omnibus durch einen Urwald auf roter Erde zu den Cataratas del Iguazu. Das war eine Naturschönheit, wie man sie sich nicht schöner vorstellen kann. In kilometerweiter Länge fallen tosende Wasser ins Tal hinab. Das Wasser spritzt auf und Wasserschleier in allen Regenbogenfarben glitzern in der Gegend. Es war ein Naturwunder, wie ich es schöner nie erblickt hatte . Wir gingen an den “Cataratas” an der Seite entlang, überqürten Brücken, und stiegen auf ein Flugzeug und sahen das wunderschöne Naturgeschehen von dort aus. 14 Tage genossen wir es jeden Tag von Neüm. Wir machten dann noch verschiedene Reisen nach Heilbäder, nach Miramar zu einem Moorbad und nach Rio Hondo in ein Schwefelbad. In Rio Hondo war eine furchtbare Hitze, über 50 Grad, so dass wir nicht mehr atmen konnten. So verliessen wir es früher, als wir gedacht hatten, und waren froh, wieder in unserem schönen Klima in Cordoba zu sein.-

So vergingen die Jahre bis zum Jahr 1965. Leider hatte sich Viktors Arteriösklerose verschlechtert, so dass er gelegentliche Wutanfälle bekam. Bei einem dieser Wutanfälle wollte er mit einem Knochen nach mir schlagen. Ich entwich ihm, und ging zu Helmut, der bei Schmalnaür ein Zimmer hatte. Helmut telefonierte mit Sigrid und Horst und die holten mich mit einem Auto mit ihren Freund Werner Wiedemann ab, nach Bünos Aires. Sie wohnten ja nun schon in Bella Vista und hatten guten Platz. Sigrid arbeitete als Sekräterin in der deutsche Schule in El Palomar und war erfreut, eine Hilfe an mir zu bekommen. Meine Enkel Klaus und Mecki wurden der Sonnenschein dieser Jahre. Für Klaus kochte ich seine Lieblingsgerichte und brachte ihm das Schachspielen bei. Mit Mecki spielte ich Kapitän. Ich setzte ein Stuhl auf einen Tisch und dann reiste ich in der Phantasie mit ihm durch alle Lande : nach Afrika, wo die Neger waren und ganz schwarz aussahen und Affen auf den Bäumen kletterten und Löwen und Tiger durch die Gegend schrien ; dann fuhren wir in eine Gegend, wo die Menschen gelbe Haut hatten und Schlitzaugen ; und wir fuhren in den Norden, wo es weisse Eisbären gab und braune Eskimos. So reisten wir in der Phantasie weit herum und so frug mich Mecki jeden Morgen :”spielen wir wieder Kapitän ?” Aber ich las auch Mecki viel vor aus Karl May, so dass Horst schon sagte :”er wird nie lesen lernen, wenn du ihm soviel vorliest.” Mecki hatte einen Freund, der hiess Putzi. Mit dem spielte er oft in dem Sande. Aber Putzi hatte eine liebe Mutter, die hiess Erika, mit der ich mich anfreundete. Mecki und ich gingen oft zu Erika und Putzi, tranken Kaffee, die Kinder spielten, ich lehrte Erika das Schachspielen, und wir hatten eine schöne “Pileta” in dem Garten, da schwammen wir sehr oft drinnen, so verlebten wir sehr schöne Nachmittage zusammen. Ich lernte auch zwei Berliner Schwestern kennen, Hedwig und Lotte, die ich zuweilen besuchte. Da auch Swantje in San Vicente ein Haus hatte, besuchte ich einige Tage auch Swantje oder fuhr zu meiner Schwester nach Martinez. So verliefen die Jahre, ausgefüllt mit Arbeit, mit Freundschaft und Liebe.-

Ende der sechziger Jahre hatte Helmut ein eigenes “Taller” in “Los Manantiales” . Er bat mich um eine Hilfe. Er machte nun mit einem “Socio” die herrlichsten Sachen aus Kupfer und Bronze und hatte sehr viele Aufträge, so dass er gar keine Zeit zum Kochen hatte. Ich kaufte ein, fuhr mit dem Omnibus zum Einkaufen . An den Wochenenden machte ich mit ihm Ausflüge in die “Sierra”,meistens in die “Sierra Chica”, wir gingen dann zu dem Pico Aleman hoch, bis zum Mirador, an manchen Tagen wir auch wieder hinunter und zum Steinmann hinauf und wanderten viele Stunden. Wenn es sich um viele Stunden handelte, nahmen wir etwas Fleisch mit und machten unterwegs einen “Asado”.

Den machte er so köstlich,aus einem bestimmten Holz, das das Fleisch noch würzte. Nie habe ich bessere “Asados” gegessen. Wenn wir zur “Sierra Grande” gingen, dann gingen wir schon am Sonnabend los und dann mussten wir unterwegs übernachten. Wir gingen dann über Cumbrecita bis in eine Höhe von 2.000 Meter und übernachteten bei Freunden von Helmut, den Merlos, die uns liebevoll aufnahmen. Viele Stunden wanderte ich mit Helmut in den veschiedenen “Sierras” herum. Wir besuchten auch in der kleinen “Sierra” die Wasserfälle.

 1970 verkaufte dann Sanchez, auf dem Helmut sein “Taller” hatte, sein Besitz und Helmut der ging auch nicht sehr gut, weil sich eine scharfe Konkurrenz aufgetan hatte, so suchte er sich eine Stellung in der “Buby”-Fabrik und bespritzte kleine Autos mit Farbe. Wir zogen dann zusammen zu Estela und Alejandro, das war eine Schwester von Manüla, der Braut Helmuts. Von dort aus machten wir weiterhin an Festtagen und Feiertagen unsere Wanderungen. Mit Helmut besuchte ich auch in Santa Rosa viele “Folklore-Festivales”. Ich lernte die grossen “Conjuntos”, die Chalchaleros, Tucu Tucu, Quillahuasi, auch einige Solisten kennen und gab ihnen persönlich die Hand. Wir blieben dann die ganze Nacht hindurch bis um 5 Uhr unserer Omnibus zurückfuhr. –

1972 heiratete dann Helmut Manüla. Da suchte ich mir dann eine Stellung als Pflege für eine alte Dame. Es war Frau Lilienthal und ich verstand mich sehr gut mit ihr. Ich kochte für sie und nachmittags las ich ihr aus Büchern stundenlang vor. Aber ich hatte auch Zeit gelegentlich Helmut und meine Freunde zu besuchen.

1974 wurde meine Enkelin Estela geboren (Helmuts Tochter). Ich erhielt dann die Nachricht, dass es Viktor schlecht ginge und er bettlägerig wurde. Da suchte ich ihm eine Pflegerin. Ich besuchte ihn öfter und er sagte :”Es ist mir eine Ehre, dich zu Besuch zu bekommen. Ich freü mich sehr über deinen Besuch”. Ich freute mich, dass wir wieder versöhnt waren und besuchte ihn öfter. 1975 starb er dann. Da zogen Irina und ich ein in unser altes Haus. So machte Irina eine Kunstwerkstatt in Holz auf. Sie bemalte sehr schöne Holzgefässe künstlerisch mit Farbe und während sie arbeitete kochte ich. In dem Jahre 1976 heiratete sie dann Aurelio. Wir machten dann ein grosses Gartenfest. 1977 wurden dann meine erste Urenkelin Carolina geboren. 1978 übernahm Swantje die Plege unseres Freundes und Helmuts ehemaligen Chefs Schmalnaür. Swantje mochte diesen Herren sehr gerne und es entstand mehr eine Freundschaft als Pflege.

In dem Jahr 1980 feierte meine Schwester ihren 80. Geburtstag. Es wurde einem Abschiedsfest gleich, weil sie in einem Altersheim gehen sollte und sie wollte vom aktiven Leben Abschied nehmen. So mietete sie bei einem deutschen Klub zwei Säale und es wurde ein grosses Fest. Wir hatten unseren Bruder Ewald zu diesem Fest erwartet, der leider nicht erschien. Am Tag darauf sagte uns Peter, dass unser Bruder Ewald gestorben wäre. Er hatte die feste Absicht, nach Argentinien zu kommen, war aber bei einem Mittagsschlaf eingeschlafen, und wachte nicht mehr auf. So hatte er ein ruhiges friedliches Ende gefunden.-

1981 kaufte Sigrid einen wunderschönen Besitz am Bergesabhang. Es war der “Paca Huasi” und es war ein grosses Haus mit einem parkähnlichen Garten mit hohen Bäumen mit einer “Schwimmpileta” . Das Haus hatte vier Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, eine Wohnküche, und zwei Bäder.Es war ein sehr stolzer schöner Besitz. Mecki machte in seinen Semesterferien in dem Sommer eine “Confiteria” auf, und arbeitete dort mit zwei seiner Freunde, Claudio und Gerardo, und hatte einen grossen Absatz. Mit meiner Freundin Hedwig bin ich etliche Male in diese “Confiteria” gegangen und haben das herrliche Eis geschleckt, was es dort gab. Es waren Eisbecher mit Früchten und Schlagsahne. In dem Jahre 1981 wurde Irinas Sohn Manül geboren.

 In dem Jahre 1983 war Meckis Hochzeit. Es wurde gefeiert in einer Kapelle etwas abseits von Cordoba und in einem Restaurant war eine grosse Feier. Dort erschien auch mein Neffe Peter. Am folgenden Tage machte ich noch eine Erweiterung mit Swantje, denn wir fuhren mit einem Taxi um den “Diqü” San Roqü. In dem selben Jahr,ein halbes Jahr später , heiratete Klaus. Er feierte seine Heirat in dem Deutschen Klub in Rosario in einem grossen “Patio”. Wir sassen an einem grossen Tisch mit Helga und Domingo. Er heirate Leti, eine sehr liebe Braut. Auch Meckis Schwiegereltern gewannen wir sehr lieb, das waren Delfo und Betty und Raqül, die ein sehr schönes und liebes Mädchen war, und besass einen gutausenden Bruder und zwei nette Schwester, Adriana und Alicia. Wenig später heiratete Gerardo die Schwester Adriana und so wurden aus den Freunden Schwägern. Auf Klaus Hochzeit zurückzukommen. Auch in Leti hatte er eine reizende Lebenskameradin gefunden und mit ihrer Mutter, der Tata, hatten wir einen grossen Kontakt und mochten auch sehr ihre Schwestern Lucy und Lucre.

1984 heiratete Olaf in der hohen “Sierra” bei Tomas Domingüz. Seine Hochzeitsgäste kamen angeritten und mit Swanie wohnten ich in Villa Alpina einige Tage. Wir wollten in der Nähe der Hochzeit sein.

1985 starb Dr. Schmalnaür und Meckis Sohn German wurde geboren. Ich wollte dann in Swantjes Nähe bleiben und lebte einige Zeit bei ihr , bis dann Irina und Olafito zu ihr ins Haus kamen.

1986 wurde Inti geboren. 1987 wurde Erika geboren und ...Sigrid und Horst machten eine Reise in den Norden Argentiniens.

1988 zogen wir dann in das wunderschöne Haus und ich durfte auch mit einziehen. Swantje fuhr über Moskau nach Deutschland und kam in dem Jahr 1990 mit Harald zurück, denn sie heiratete.

1989 bekam Mecki ein Stipendium nach Hannover . Er arbeitete dort sehr fleissig und erweiterte seinen Titel des Ingenieurs zum Master und gab ein Buch heraus über die Erdschichten. Er wurde dann bald nach Madrid in Spanien versetzt.

1990 besuchten Horst und Sigrid Mecki in Hannover. Leider erkrankte Sigrid sehr schwer und ich war froh als ich sie lebend wieder zurückbekam.

1991 fuhr Horst alleine nach Deutschland. Er telefonierte aus Frankfurt, einen Tag später aus Hannover und sagte es war der schönste Tag seines Lebens, als ob es ein Geburtstag und Weihnachten an einem Tag zusammenwären, so schön war das Wiedersehen mit Mecki. Leider telephonierte Mecki einen Tag später, dass Horst schwer erkrankt sei und in dem Krankenhaus läge. Nun fuhr Sigrid nach Deutschland. Leider konnte Horst sein Leben nicht retten. An ihm verlor ich einen sehr lieben und immer sehr hilfsreichen Schwiegersohn. Sigrid brachte mi Jahr 1991 ihre Schwiegermutter mit. Wir verstanden uns sehr gut, trockneten Sigrid abwechselnd ab und putzten ihr das Gemüse. Wir waren richtige Freundinnen geworden. Leider starb sie vor ihrem 92. Geburtstag nach einem dreiviertel Jahr ihres Hierseins

In dem Jahre 1990 wurde der Sohn von Leti und Klaus geboren, der kleine Thomas. Mit drei Jahren kam er in den Kindergarten und lernte Deutsch sprechen. Er lernte es bald ganz fliessend. Klaus gab sich grosse Mühe, das er Deutsch sprach.

 In dem Jahre 1993 fuhr Sigrid nach Spanien, Mecki war von der Firma Siemens nach Madrid versetzt worden um den Schnellzug nach Sevilla zu planen. Sigrid blieb zwei Monate in Spanien. Während dieser Zeit blieb Helmut bei mir und wir machten grosse Spaziergänge am See und in den Bergen entlang.

1994 fuhr Sigrid zu ihren Freunden nach Bariloche. Wieder war Helmut bei mir. Leider bekam ich 1995 einen Herzinfarkt und wurde pflegebedürftig, so dass ich nicht mehr die grossen Wanderungen machen kann, sondern nur noch hinten in dem Hause auf dem Hofe mit Hilfe einer Unterstützung laufen kann. Swantje hat sich ein brisantes Würfelspiel ausgedacht und kommt jede Woche zwei mal zu uns und Helmut hat sich eine Filmkamera gekauft und wenn er kommt erfreut er uns mit seinen Aufnahmen. Er hat sehr viel Freude an den Aufnahmen und wird zu vielen Festen gebeten um zu filmen.

In dem Jahre 1996 wurde Estelas Markus Neü geboren. Er wurde der Sonnenschein der Familie Neü. In dem Dezember 1996 kam Mecki für drei Wochen auf Urlaub. Seine sympathische Familie, Delfo und Betty, Oskar, Adriana una Alicia mieteten sich in unserer Nähe ein und viele Freunde und Bekannte kamen mit ihren Kindern. So waren wir manchmal 20 Personen an der “Pileta” , tranken Mate, und waren Nachmittags ungefähr zwischen zwei und neun Uhr zusammen. An der “Pileta” war frohes Leben und in der “Pileta” jubelten die Kinder. Es war wie ein einziges grosses Fest. Der Abschied von Mecki und seiner Familie tat mir sehr weh, weil ich schon 93 bin und ich weiss nicht, ob ich ihn wiedersehen werde, aber ich hoffe stark, dass ich noch ein bischen auf dieser Erde sein darf. Ich hatte auch die grosse Freude 1996, dass meine drei Urenkel German, Erika und Thomas Deutsch und Spanisch sprechen können. Ihre Väter haben sich grosse Mühe mit ihnen gegeben und es ist sehr schön, diese Nachfolge zu haben, auch in der deutschen Sprache. Wenn ich an mein Leben zurückdenke, so denke ich an viel Liebe, an viel Freundschaft, noch heute umgibt mich die Liebe meiner Kindern, Enkel und Urenkel. So bin ich meinem Herrgott sehr dankbar für das, was ich in dem Leben hatte, und hoffe, dass er mich noch ein Weilchen auf dieser sehr schönen Erde sein lässt.

So nimm denn meine Hände
und führe mich
bis an mein selig Ende
und ewiglich.
Ich mag allein nicht gehen
nicht einen Schritt.
Wo Du wirst gehen und stehen
da nimm mich mit.
In Dein Erbarmen hülle
mein schwaches Herz
und mach es gänzlich stille
in Leid und Schmerz.
Lass uns zu Deinen Füssen
Dein armes Kind.
Es will die Augen schliessen
und glauben blind.
Wenn ich auch gar nichts fühle
von Deiner Macht
Du bringst mich doch zum Ziele
auch durch die Nacht.
So nimm denn meine Hände
und führe mich
bis an mein selig Ende
und ewiglich.
Grosser Gott, wir loben Dich,
Herr, wir preisen Deine Werke,
Vor Dir sich naht die Erde sich,
und wieder Deine Stärke,
wie Du warst zu allerzeit
So bleibst Du in Ewigkeit.
Alles was Dich preisen kann
Cherubin und Seraphinen
stimmen Dir ein Loblied an
alle Engel die Dir dienen.
Rufen Dir in seliger Ruh
heilig, heilig, heilig zu.
Herr, erbarme, erbarme Dich,
über mich gib Deinen Segen
Leid und für mich väterlich
auf allen meinen Wegen
auf Dich baü ich allein
lass mich nicht verloren sein.
Jesu geh voran
auf der Lebensbahn
und wir wollen nicht verweilen
Dir getreulich nachzüilen
führ uns an der Hand
In das Vaterland
Solls uns hart ergehen
lass uns feste stehen
und auch in den schweren Tagen
niemals über Lasten klagen
denn durch Mühsal hier
führt der Weg zu Dir
Rührert einer Schmerz
irgend unser Herz
kümmert uns ein fremdes Leiden
oh, so gib Geduld zu beiden
Führ uns an der Hand
in das Vaterland.
Die Himmel rühmen
des ewigen Ehre...


CLAUDIO GÄBLER
claudiogäbler@fibertel.com.ar
 
Bünos Aires - Argentina

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