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CLAUDIO GAEBLER
claudiogaebler@fibertel.com.ar
 
Buenos Aires - Argentina

GEDANKEN UEBER DIE DEUTSCHE EINHEIT

Ja, es ist soooo lange her, daß die Einheit Deutschlands auf dem Papier erreicht wurde; aber eine Generation wird mindestens vergehen, bis sie auch in den Herzen und in der Praxis echt erreicht wird. Und doch handelt es sich um eine friedliche und gelungene Revolution, um die wir uns auch als Weltbürger stolz fühlen dürfen. Eine Revolution, die ohne Blutvergießen mit besten diplomatischen Mitteln erreicht wurde, um zum glücklichen Ende zu kommen.

Mit dem Fall der Mauer kurz vor der Vereinigung Deutschlands ist auch eine Etappe der Weltgeschichte - die des „Kalten Krieges“ - zu Ende gegangen. Zwei politische, wirtschaftliche und philosophische Systeme grenzten aneinander und teilten so Deutschland und die Welt. Beide Teile Deutschlands waren Musterbeispiele dieser Weltanschaungen. Die BRD hatte es nach dem schrecklichen 2. Weltkrieg in historisch kurzer Zeit erreicht, die Prinzipien der französichen Revolution, die danach auch in Deutschland Nachklang erreichten , und des nun schon jahrhundertealten Systems der USA zu verwirklichen. Wirtschaftlich wurde der Marshalplan gut genutzt für den Wiederaufbau mithilfe aller Einwohner, sogar die Frauen schleppten die Trümmer, um wieder ein lebenswertes Land auf die Beine zu stellen. Die „soziale Marktwirtschaft“ erreichte Weltruhm und wurde als Mittelweg zwischen dem extremen Kapitalismus oder absolutem Liberalismus und dem Kommunismus erfolgreich in Deutschland angewandt.Nach langen Jahren wurde die neuentdeckte Freiheit mit Wonne genossen. Man merkte erst wie schön die „Liberte“ ist, wenn man die DDR besuchte. Nur drei Tage reichten mir, um die Beklommenheit zu fühlen, die Angst, aus dieser Falle, aus diesem Gefängniss, nie wieder rauszukommen. Sicher hatten es manche auch gut, und eine andere Minorie saß im goldenen Käfig, wie ich kurz danach im Film „Sol de Medianoche“ mit Barishnikov nachempfinden konnte. Dort haben sich meine Gefühle bestätigt gesehen. Das traurige Berlin des Ostens, mit den fast leeren Schaufenstern, mit wenigen Leuten auf den Straßen, mit dem einschüchternden Militär in russischen Uniformen und Mützen überall, war zum Weinen. Und in der restlichen DDR war es noch schlimmer. Besonders krass schien der Kontrast, wenn man davor im KaDeWe und auf dem Kurfürstendamm spazierengegangen war, sogar wenn man einige komischen Gestalten in der Gegend des Hauptbahnhofs Zoo herumlungern gesehen hatte, all das gehört zur Freiheit, auch die Schattenseiten, die man gerne in Kauf nimmt. Als Tourist wurde ich auch gleich in der DDR darauf aufmerksam gemacht, wie hier der Hase läuft, falls ich es noch nicht bemerkt hätte. Als ich mich anmeldete, um die Reise nach Bitterfeld zu machen, wurde ich einfach gezwungen, ein Hotel in Halle zu buchen und natürlich zu bezahlen, und hatte mich auf direktem Weg ohne Abschweifungen dorthin zu bewegen, und auch anzumelden.Fertig, basta. So barsch, kategorisch. Als ich wagte, zu erwähnen, daß wir eigentlich bei meiner Grossmutter eine Bleibe hätten, wurden wir nur mitleidig von der Seite angeschauen, und ein bisschen unheimlich klang es, als man uns den guten Rat gab, uns wenigstens beim Hotel anzumelden. Bezahlt war er ja schon. Da mußte man sein eigenes Fell schützen und die ewigen Minuten zählen, bis wir in drei Tagen wieder in der freien „Insel“ Westberlin waren, und versuchen, mucksmäuschenstill zu überleben. Im internationalen Hotel in Halle gab es dann den östlichen touristischen „Konfort“, ein Radio, nur Licht an der Decke, keinen Fernseher,und der Lift wurde abends abgeschaltet, so konnten wir besser bewacht werden. Beim „kontinentalen Frühstück“ fiel uns auf, daß neben jeder Eßsache, die wir uns am großen Tisch zum Essen auf die eigenen Teller nahmen, ein Schildchen mit einer Nummer war. Gleich erfuhren wir, was es damit für eine Bewandtniss hatte. Wir waren gerade am Tisch angekommen, da kam gleich ein Kellner und frug uns, ob wir schon zu bezahlen wünschten. Uns blieb der erste Happen fast im Hals stecken. Natürlich wollten wir schnellstens bezahlen, so wurden wir wenistens fürs Erste in Ruhe gelassen. So hat der Kellner dann tüchtig jede Frucht, Brötchen, die wir auf dem Teller hatten, schön hübsch aufgeführt, und zusammengerechnet. Danach haben wir dann auch noch die trockenen Apfelsinen „genossen“, welche von der DDR solidarisch den kubanischen „Genossen“ gekauft wurden. Ja, die Kellner der DDR! Sie schienen mir ein bisschen steif und genossen ihre kleine Macht, so militärisch barsch, viele Male in schwarz angezogen, ja das war also in der Praxis die „Diktatur des Proletariats“? So sah das also aus. Als wir etwas einkaufen wollten, war es wircklich schwer, das Geld unter die Leute zu bringen. Die einzige Bücherei Halles war seit einem Jahr geschlossen, und als wir endlich italienische Schuhe –eine Rarität – entdeckt und gekauft hatten, wurde uns auf der Straße nachgeglotzt, weil sie in so schönen Schachteln statt in braunem Einpackpapier waren. Die Armut des Systems wurde „harmonisch“ unter dem Volk verteilt. Natürlich gab es auch in diesem System Einige, die Privilegien genossen und von all dem ausgeklammert waren. Sonst hatte so gut wie jeder Geld auf der Bank. Aber die Frage war hier: für was?. Einen Trabant zu bekommen, das „tolle“ Auto des „Ostens“, hier das Höchste der Gefühle, dauerte mehrere Jahre. Nach der Wende ließ man sie einfach am Rande stehen und kaufte sich was Besseres. Man schenkte uns eine für sie unnütze Platte klassicher Musik, Plattenspieler haben sie seit Jahren sowieso nicht käuflich erwerben können. Es war einfach keine zum Verkauf da. Bananen gabs nur zu Weihnachten, die Schokolade schmeckte nicht. Fast alle benahmen sich wie Staatsangestellte, die Häuser waren verwahrlost und natürlich meistens ungestrichen. Wenn eine Schraube in einer Fabrik für eine stillgelegte Maschine fehlte, mußte man nach Berlin schreiben, damit diese sie autorisieren und schicken. Und wie funktioniert ein System, wo alles vorher planifiziert wird?. Wie soll es schon funktionieren? Wer weiss denn schon, wie viele Schuhe die Bevölkerung neu kaufen will oder muß und rechnet das vorher korrekt aus. Und so mit allem! Die Planwirtschaft, das „Musterbeispiel“ DDR des Sozialismus in der Welt, auf dem besten Weg zum Kommunismus, wo alles nur noch besser sein sollte, die DDR also, wo das System noch besser als in der UDSSR funktionierte, klappte auch hier nicht.

Und dann zu den Menschen. Trotz des Systems, die Einwohner waren und blieben auch weiterhin Deutsche. Sie verteidigten sich wie sie konnten, sie überlebten, waren nett zu einem, sie passten sich an, und natürlich viele machten leider auch echt mit. Traurig aber wahr, DDR war eines der letzten Länder des Ostblocks, was dann wieder aufwachte, um zur Freiheit zurückzufinden. Der Anfang des sichtbaren Endes war die Wahl des neuen Papstes Johannes Paulus II, ein Pole, ein klar definierter Antikommunist. Der Besuch im höchstkatholischen Polen von Karol Wojtila, zusammen mit dem Anführer der Werften von Danzig, erschütterten den Warschaupakt. Frühe Vorläufer davon war der Arbeiteraufstand in der DDR, der Aufstand in Ungarn, der Aufstand in der Tschechoslovakei von Dubzec, alle mit russicher „Hilfe“ (nenn es Panzer und Truppen) unterjocht. Aber mit dem Papst wurde es endlich und definitiv ernst. Polen schaffte vieles Konkretes und wurde Wegweiser. Viel später kam dann die Perestroika und Glasnost vom Nobelpreisträger Gorbatschov. Ich hatte es damals nicht glauben können, als ich über Carters Mitarbeiter Brzezinsky in einem Kurs über Geopolitik hörte, dass die UDSSR nur Atrappe war, sie würde fast von alleine fallen, hinter dem Koloß steckte nicht viel dahinter. Und als die 50 Jahre von der DDR pompös gefeiert wurde, spielte „Gorbi“ das Spielchen noch mit, flüsterte aber auch fast schreiend, das in der DDR auch solche Zeiten zu kommen hätten wie in der UDSSR. Anscheinend war aber das DDR-Regime schwerhörig. Als aber friedlich das eigene Volk rebellierte, und auch noch ohne jegliches Hab und Gut lieber massiv jede bestmögliche Gelegenheit ausnützte, um aus dieser „Mausefalle“ DDR rauszuschlüpfen, und noch mit offenen Armen von den deutschen Brüdern im Westen empfangen wurden, da wurde es dann brenzlich für die verkalkten DDR- Bürokraten da oben. Ohne die Hilfe der russischen Panzer diesmal waren diese isoliert und ganz allein geblieben. Wir alle, nicht nur Deutsche, hielten den Atem an, rapide wurde Geschischte geschrieben, die Mauer fiel, die Einheit mithilfe der Zustimmung aller Weltmächte wurde endlich erreicht. Natürlich hat das auch einiges gekostet. Deutschland ist z.B.heutzutage der erster Gläubiger Russlands, hat also auch dem verständigen grossen „Ostbruder“ etwas unter die Arme geholfen.. Jeder Offizier und jeder Soldat Russlands, die in der DDR stationiert waren und wieder zurückfuhren in ihre Heimat, bekam eine von Deutschland gekaufte Wohnung. So kam es aber auch, daß in Russland heutzutage statt Englisch Deutsch die erste Fremdsprache ist, wie es der damalige Kanzler Kohl in seiner letzten Argentinienreise beim hunterjährigen Jubiläum in der Goethe-Schule stolz aussagte.-

Ja, wir können alle stolz sein auf die friedliche Revolution in Deutschland, die damals ihren Anfang fand und noch weiter im Gange ist. Besonders stolz muss sich jeder Pazifist fühlen, dass eine fast unmöglich und nur schüchtern geträumte Einigkeit Deutschlands ohne Blutvergiessen und auf diplomatischen Wege erreicht wurde. Dies besonders bei der kriegerischen Tradition, die Deutschland historisch anhaftet. Mehrere Staaten haben etwas änstlich ihr ja dazu gegeben. Käme nun wieder ein Deutschland auf, dass alle zu überrennen versucht? Bisher kann man sich nur freuen, dass Deutschland in Europa als eine mehr aufzugehen versucht und konsequent die Einigkeit Europas weterhin verfolgt. Das Symbol davon ist in jeder deutschen Botschaft zu sehen: die Fahne der Europäischen Union neben der deutschen, brüderlich nebeneinander. In der Praxis gibt es schon eine immer stärkere Regierung von Brüssel aus, die Gesetzes des Europäischen Parlaments sind bindend, die höchsten Instanzen der Justiz sind auch schon europäisch und auch bindend, nach Maastricht ist der Euro von Frankfurt aus gesteuert bald das einzige Zahlungsmittel der angeschlossenen Staaten. Nach so vielen Jahrhunderten Krieg hat endlich Europa einen gemeinsammen Nenner gefunden und ist somit auch viel stärker geworden in der Welt. Endlich scheint man gefunden haben, das es auf dem friedlichen Weg für alle Parteien besser ist und man viel schneller weiterkommt. Leider hat dies Gandhi nicht mehr erlebt, aber sicher hätte er sich sehr darüber gefreut. Und in der Europäischen wie in der Weltgeschischte war die Einigung Deutschlands ein wichtiger Meilenstein auf diesem Wege. Die Mitarbeit in der UN und der NATO, in offener Zusammenarbeit, weiterhin stark mit USA verbunden, mit Verständniss für den ehemaligen Ostblock und deren Nöten, ohne die sozialen Probleme der ärmsten Staaten der Welt zu vergessen, was sogar bis zum anzuerkennenden Schuldenerlaß reicht, macht aus dem heutigen Deutschland eine geachtete Nation in der zusammengeschrumpften heutigen Welt.

Die friedliche Revolution, wie jede Revolution, war natürlich eine harte Sache für alle Deutschen. Und ist bei weitem noch nicht beendet. Sicherlich hat es geholfen, das mindestens die Einwohner beider Teile Deutschlands die selbe Sprache beherrschten, obwohl der Wortschatz teilweise auch verschiedene Richtungen eingeschlagen hatte. Im Osten wussten sie einige Brocken mehr von russischen, im Westen viele Brocken englischer Ausdrücke. Dies geht soweit, daß ich im Hauptbahnhof Frankfurt am Main belehrt wurde, daß ein Pampelmusensaft inexistent ist und in Wirklichkeit Grapefruitsaft heißt. Im Osten war es sicherlich auch nicht anders. Man darf die friedliche Revolution in Deutschland nicht unterschätzen: ausser einiger Ausnahmen wurden alle Gesetze Westdeutschlands in ganz Deutschland von einem Tag zum anderen angewandt. Man muß sich dabei vergegenwärtigen, daß diese Gesetze teilweise stark auseinanderklafften, weil sie auf verschiedenen Philosophien basierten. Die Mauer trennte zwei ideologische gegensätzliche Systeme, zwei Weltanschaungen. Und am Tag Deutschen Einheit wurde auf einmal im ganzen Osten Deutschlands die westliche Weltanschaung wieder eingeführt, die seit den verrückten zwanziger Jahren dort vermisst wurde.

Von einem Tag zum anderen wurde auch die DM in ganz Deutschland eingeführt, demzufolge wurde die Divise der ehemaligen DDR von einem Tag auf den anderen ungültig. Die Preise in diesen „neuen“ Bundesländern passten sich rapide an den Westen an, man kann fast von einer Hyperinflation im Osten sprechen, dort wurden in DDR-Zeiten nämlich künstlich fast alle Preise zentral gesteuert. Um nur von Mieten zu sprechen –man muß sich vergegenwärtigen daß in Deutschland ein weit grösserer Prozentsatz in Miete lebt als z.B Argentinien und nicht Eigentümer seiner Wohnung ist- waren diese in der DDR seit dessen Entstehung eingefroren. Dies ging so weit, daß die Besitzer der Wohnungen mehr Unkosten mit ihnen hatten als Einnahmen. Die logische Konsequenz war, daß das Erbe in der DDR meistens direkt ausgeschlagen und ein Großteil der Wohnungen staatlich verwaltet wurden. Dazu kommt auch noch, daß man in Deutschland gegenüber Argentinien auch die Schulden erben kann, die den Wert des Erbes überschreiten. Demzufolge wurde die Anpassung der Mieten und die Bereinigung der Besitzverhältnisse einer der grössten zu lösenden Probleme in den folgenden Jahren. Millionen Anträge aus der ganzen Welt und aus Deutschland selbst mußten bewältigt werden und der Besitz wenn noch möglich an die rechtmässigen privaten Eigentümer oder deren Erben zurückerstattet werden, oder wenigstens einigermassen dessen Gegenwert. Die noch weiter zurückliegende Vergangenheitsbewältigung , die in der DDR nicht erfolgt war, musste nun auch hier in Angriff genommen werden. All dies, dies muß man sagen, wurde erfolgreich in den folgenden Jahren bewältigt.

Die marode Industrie des Ostens war für die westlichen Maßstäbe fast ohne Ausnahme unzureichend. Hier mußte man fast von Null anfangen. Dieses Problem wurde auch schnellstens in Angriff genommen. Mit billigen Krediten konnten sich Firmen aller Welt hier ansässig machen oder die alten Strukturen kaufen, wenn nicht auch Rückgaben des Eigentums verlangen. Die ökologischen Prinzipien der BRD mußten eingeführt werden. Ich kann nicht vergessen, wie ich damals Bitterfeld noch in DDR – Zeiten vorfand. In der Ferne sah man starke Schwefelschwaden von den Schornsteinen in die Luft steigen. Die Einwohner sagten mir, sie könnten ihre Wäsche nicht draußen aufhängen, sie würden nur mit schwarzen Ruß überzogen. Nach der Wende stellte dann auch Jahre später Greenpeace aus, und wurde Bitterfeld als „Musterbeispiel“ dessen geprangert, was man nicht tun darf, aber es sah schon ganz anders aus. Heutzutage ist die ganze Gegend musterhaft saniert und kann sogar touristisch von Interesse sein.

Natürlich darf man nicht vergessen, daß wie in jeder Revolution viele Fehler begangen wurden. Jeder, der in kurzer Zeit wichtige Entscheidungen zu treffen hat, der vieles unternimmt, macht auch Fehler. Das gehört dazu. Wir wissen alle, daß auch viele Fehler in dieser Hinsicht erfolgten. Aber wenn wir diese mit dem Erreichten gegenüberstellen, können wir bei dieser einzigartigen friedlichen Revolution doch von Erfolg sprechen. Die historischen Stadtteile wurden wie in den tausenden von schmucken Städchen und Städte des Westens wieder langsam herausgeputzt, die Kirchen und wichtigsten Gebäude sind auch wieder sehenswert. Moderne Infrastruktur und viele Investitionen lassen uns um die Zukunft nicht bangen. Das West-Ost-Gefälle wird sicherlich mit der Zeit endgültig ausgemerzt werden.

Doch noch heute kann man in vieler Hinsicht von einem geteilten Deutschland sprechen. Ideologisch ist man noch nicht ganz zusammengewachsen, dies wird sicherlich eine Generation dauern. Die Ossis fühlten sich überrrannt, die Wessis ausgenommen. Noch heute fliessen Steuern der Wessis in den Osten, und viele haben nicht viel Lust, daß diese dauernd in dieselbe Richtung fliessen. Die Ossis träumten davon, den Lebensstardart der Wessis mit der Revolution von einem Tag zum anderen zu erreichen. Natürlich blieb dies nur eine Illusion. Die Westdeutschen haben auch Jahrzente gedauert, um ihren heutigen Lebensniveau zu erreichen, sie haben nur früher angefangen, in die korrekte Richtung zu bauen. Und genießen heute einer der grössten Lebenstandarts der Welt. Die Ostdeutschen mußten sich an die freie Marktwirtschaft – an die Freiheit im Allgemeinen an sich auch- erst gewöhnen, anpassen. Nicht alle schafften es. Wie in jeder Revolution blieben manche auf der Strecke, ohne das Ziel zu erreichen. Aber es war dennoch ein Erfolg: Wenige Ostdeutsche trauern den alten Zeiten nach. Und auch die Westdeutschen haben nach der ersten Furore und den ersten Enttäuschungen ihr Gleichgewicht wieder zurückgefunden. Sie haben etwas mehr Verständniss dafür, dass die wenigsten Ostdeutschen es sich ausgesucht hatten, in die russiche Zone zu fallen um dann weiterhin als DDR der russischen Einflußzone im Warschauer Pakt anzugehören. Und viele sind damals geflüchtet, so dass die Mauer fast eine Notwendigkeit der DDR wurde, um nicht ohne Einwohner zu bleiben. Die erschütternden Beweise der Suche der Freiheit unter Lebensgefahr kann man auch noch heute wie damals im Museum beim ehemaligen Checkpoint-Charlie in Berlin finden . Die Freiheit ist für uns so was Alltägliches geworden, das wir uns schwer in die Situation derjenigen versetzen können, die sie verloren haben. Durch Tunnels wie die Maulwürfe, mit selbstgemachten gepanzerten Wagen, in Kofferräumen, im Gepäckträger in zwei Koffern in der Eisenbahn, mit jedem noch so primitiven selbstgemachten fliegenden Körpern über den Luftweg, über Flüsse geschwommen und teilweise getaucht, alles war gut um in die Freiheit zu kommen. Und mit dieser friedlichen Revolution auf einmal und fast von einem Tag zum anderen war sie da. Noch heute geniessen die Ostdeutschen es ganz anders, wenn sie einen Reise buchen, die dorhin führt, wo sie gerade wollen oder das Portmonnaie es ihnen erlaubt, als wir im Westen es nur ahnen, und auch keinesfalls nachvollziehen können. Nicht mehr zu fahren wohin man durfte und mußte, wenn man viel Glück hatte ans Schwarze Meer. Nein, wo man lustig ist!

Und besonders: die Verwandten und Freunde im anderen Teil Deutschlands besuchen, die langjährig sich nicht sehen durften, nach Jahrzehnten eventuell Besuch aus dem Westen bekamen, aber immer aufpassen mussten, weil man so stark und leider auch manchmal in der eigenen Familie unter sich bespitzelt wurde.

Noch heute gibt es einen Herren, der die Notwendigkeit fühlt, den Brocken jeden Morgen zu besteigen, bevor er sich etwas Anderem widmen kann. So stark hatte er ihn entbehrt und so viel Nachholbedürfniss hegt er noch heute.

Freiheit bedeutet natürlich auch das eigene Schicksal in die eigene Hand zu nehmen und die Verantwortung zu tragen über die Konsequenzen der Entscheidungen, die man selbst getroffen hat. Leichter war es natürlich im Osten die meisten Entscheidungen überliess man dem „Vater“ Staat, dem allmächtigen unmenschlichen bürokratischen Koloss, aber war das ein lebenswertes Schicksal?

Ein wichtiger Diplomat der damaligen DDR-Botschaft in Buenos Aires frug mich etwas herausfordend, für was denn so viel Anwälte gut seien, wie sie in Argentinien und anderen westlichen Staaten normal sind. Schwer wenn nicht unmöglich war, es ihm verständlich zu machen, was ein wirklicher Rechtstaat (nicht nur auf dem Papier) beinhaltet, mit den individuellen Garantien aller Einwohner, die auch vor Gericht sogar gegen die jeweiligen Staatsbehörden echt verteidigt werden können. Es war also nichts Neues für mich, zu erfahren, dass die friedliche Revolution in Deutschland auch eine starke und leider notwendige Reform der Justiz beinhaltete.

Die Situation in der DDR war nach dessen Propagandamaterial natürlich viel besser als die Realität. Aber es stand mit diesem „Bluff“ DDR weit schlimmer, als die Regierung der BRD es sich hat träumen lassen. Die marode aufgefundene Infrastruktur im Osten mußte renoviert oder direkt aufgebaut werden: Elektrizität, Autobahnen, moderne Telephonsysteme und vieles mehr. Probleme an allen Seiten und Enden, die alle auf einmal gelöst werden sollten. Alles wurde so gut wie nur möglich und schnell in Angriff genommen. Sogar Berlin ist wieder Hauptstadt und wenigstens kürzlich noch eine der grössten Baustellen der Welt, aber es wird auch hier schon so gemütlich, daß sie schon mehrere der wichtigsten Weltmetropolen touristisch überflügelt hat. Das Berlin wieder Hauptstadt Deutschlands ist, bedeutet auch –wenn man die Nähe der Grenze mit Polen in Betracht zieht- die Öffnung nach dem Osten, das Angebot als friedliches Zentrum ganz Europas eine Rolle zu spielen. In Freiheit, Demokratie, weltoffen, sogar bald definitiv als Inmigrationsland...

Ja, mein Vater konnte ruhig seine Reise in die „ewigen Jagdgründe“ antreten, demselben der als Piefke in den 2. Weltkrieg als Soldat reingerutscht war, drei Jahre in Sibirien –für seine Eltern gefallen, Omi in Schwarz - in sowjetischer Gefangenheit (auch die Russen waren Gefangene ihres eigenes stalinistischen Regimes, siehe Solyenitsin); zurück in DDR, heiraten und selbe Nacht über die Grenze in die Freiheit flüchten, Flugzeug von Berlin in den Westen, dann mit Schiff nach Argentinien –nie mehr Krieg, bitte nur noch Frieden (!!!)-, von Null ab eine Existenz in der Ferne aufbauen, Frieden-Familie-Arbeit, und endlich das geträumte schon bald nicht mehr zu hoffende noch erleben: Fall der Mauer mit Emotionen bis zu den Tränen der ganzen Familie, Deutsche Einheit. Sein Lebenszweck war erreicht. Ja, verzeiht, es ist nur ein Deutscher mehr gewesen,und soll auch die Anderen in Erinnerung rufen, die anonym bleiben aber immer noch ein Funken Hoffnung hegten. Es kann so scheinen als wäre dieses Private unbedeutend und fehl am Platze, aber nein, es soll nur verdeutlichen das unsere Lebensauffassung, die in Deutschland und in der Welt damals siegte, und den „Kalten Krieg“ beendete, den ersten Platz dem Indivivuum einräumt, dem Menschen aus Fleisch und Seele, nicht dem abstrakten Staat, und auch die Familie hat eine wichtige Funktion darin, der Staat ist kein Lebenszweck an sich. Deshalb kann ich mit hoher Stirn sagen: mein Vater konnte ruhig einschlafen...und die friedliche deutsche Revolution in vollem Gange ihre Vollendung suchen und finden...das weltoffene integrierte freiheitliche demokratische pazifistische Deutschland wieder als ein Einziges, harmonisch integriert als eines mehr unter den Staaten dieses Erdballes. Eine neuer hoffnungsvolle geschischtliche Epoche fing an und viel wurde schon erreicht. Der Optimismus wurde durch neue Probleme geschwächt, es war mitnichten das Ende der Geschischte, aber es hat uns gestärkt auf unserem schweren Weg und Deutschland bedeutet heutzutage kein Problem mehr für die Einwohner und Staaten unseres gemeinsamen Erdballes, das ist schon viel wert...

 Claudio Gaebler

CLAUDIO GAEBLER
claudiogaebler@fibertel.com.ar
 
Buenos Aires - Argentina

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