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CLAUDIO GAEBLER
claudiogaebler@fibertel.com.ar
 
Buenos Aires - Argentina

 

GOETHE - FAUST

Zitate aus dem Faust ausgesucht und hervorgehoben von
Claudio Gaebler, in urspruenglicher Reihenfolge.-

FAUST (Prolog im Himmel)
Der Anblick gibt den Engeln Staerke
Da keiner dich ergruenden mag,
Und alle deine hohen Werke
Sind herrlich wie am ersten Tag.-

(Erklaerung: es wird von Gottes Werk gesprochen; C.G.)

Der Herr
Hast du mir weiter nichts zu sagen?
Kommst du nur immer anzuklagen?
Ist auf der Erde ewig dir nichts recht?
Mephistopheles
Nein, Herr! Ich find es dort, wie immer, herzlich schlecht.
Die Menschen dauern mich in ihren Jammerstagen,
Ich mag sogar die armen selbst nicht plagen.-

Vom Himmel fordert er die hoechsten Sterne
Und von der Erde jede hoechste Lust,
Und alle Naeh´und alle Ferne
Befriedigt nicht die tiefbewegte Brust.-

(Erklaerung: der Herr ueber Faust.- Kommentar:
Sind wir nicht viele Menschen so wie Faust? C.G.)
Es irrt der Mensch, solang´er strebt.-

Steh beschaemt, wenn du bekennen musst:
Ein guter Mensch, in seinem dunklem Drange,
Ist sich des rechten Weges wohl bewusst.-

FAUST : ERSTER TEIL
Habe, nun, ach! ...Juristerei und Medizin
...Durchaus studiert, mit heissem Bemuehn.
Da steh´ ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor
.
...Bilde mir nicht ein, was Rechts zu wissen,
Bilde mir nicht ein, ich koennte was lehren,
Die Menschen zu bessern und zu bekehren.
Auch hab´ ich weder Gut noch Geld
Noch Ehr´ und Herrlichkeit der Welt.
Es moege kein Hund so laenger leben!

Ach! Koennt ich doch auf Bergeshoehn
In deinem lieben Lichte gehn,
Um Bergeshoehle mit Geistern schweben,
Auf Wiesen in deinem Daemmer weben,
Von allem Wissensqualm entladen,
In deinem Tau gesund mich baden!
...Wo fass ich dich, unendliche Natur?
Euch Brueste, wo? Ihr Quellen des Lebens
An denen Himmel und Erde haengt,
Dahin die welke Brust sich draengt-
Ihr quellt, ihr traenkt, und schmacht ich so vergebens?

Ich fuehle Mut, mich in die Welt zu wagen,
Der Erde Weh, der Erde Glueck zu tragen,

Ha! Wie´s in meinem Herzen reisst!
Zu neuen Gefuehlen
All´ meine Sinnen sich erwuehlen!
Ich fuehle ganz mein Herz dir hingegeben!
Du musst! Du musst! Und kostet es das Leben!

Ich, Ebenbild der Gottheit!

Wenn ihr´s nicht fuehlt, ihr werdet´s nicht erjagen,
Wenn es nicht aus der Seele dringt
Und mit urkraeftigem Behagen
Die Herzen aller Hoerer zwingt.
Sitzt ihr nur immer! Leimt zusammen,
Braut ein Ragout von andrer Schmaus
Und blast die kuemmerlichen Flammen
Aus eurem Aschenhaeufchen ´raus!
Bewunderung von Kindern und von Affen,
Wenn Euch darnach der Gaumen steht-
Doch werdet ihr nie Herz zu Herzen schaffen,
Wenn es euch nicht von Herzen geht.

Wenn´s euch ernst ist, was zu sagen
Ist´s noetig Worten nachzujagen?
Ja, Eure Reden, die so blinkend sind,
In denen ihr der Menschheit Schnitzel kraeuselt,
Sind unerquicklich wie der Nebelwind,
Der herbstlich durch die duerren Blaetter saeuselt!

(Wagner) Die Kunst ist lang;
und kurz ist unser Leben.
...Wie schwer sind nicht die Mittel zu erwerben,
Durch die man zu den Quellen steigt!
Und eh´man nur den halben Weg erreicht,
Muss wohl ein armer Teufel sterben
.

Erquickung hast du nicht gewonnen
Wenn sie dir nicht aus der Seele quillt.

...Die Zeiten der Vergangenheit
sind uns ein Buch mit sieben Siegeln
Was ihr den Geist der Zeiten heisst,
Das ist im Grund der Herren eigner Geist,
Zu dem die Zeiten sich bespiegeln.

Ja, was man so erkennen heisst!
Wer darf das Kind beim rechten Namen nennen?
Die Wenigen, die was davon erkannt,
Die toericht gnug ihr volles Herz nicht wahrten,
Dem Poebel ihr Gefuehl, ihr Schauen offenbarten,
Hat man seit je gekreuzigt und verbrannt.

Wie nur dem Kopf nicht alle Hoffnung schwindet
Der immerfort an schalem Zeuge klebt,
Mit gier´ger Hand nach Schaetzen graebt
Und froh ist, wenn er Regenwuermer findet!

Ach! Unsere Taten selbst, so gut als unsre Leiden,
Sie hemmen unser Lebens Gang.

Die Sorge nistet gleich in tiefem Herzen,
Dort wirket sie geheime Schmerzen
Unruhig wiegt sie sich und stoeret Lust und Ruh;
Sie deckt sich stets mit neuen Masken zu.

Hier soll ich finden, was mir fehlt?
Soll ich vielleicht in tausend Buechern lesen,
Dass ueberall die Menschen sich gequaelt,
Dass hie und da ein Gluecklicher gewesen?

Geheimnisvoll am lichten Tag
Laesst Natur des Schleiers nicht berauben,
Und was sie deinem Geist nicht offenbaren mag,
Das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben.

Was du ererbt von deinen Vaetern hast,
Erwirb es, um es zu besitzen.

Was sucht ihr, maechtig und gelind,
Ihr Himmelstoene, mich am Staube?
Klingt dort umher, wo weiche Menschen sind.
Die Botschaft hoer ich wohl, allein mir fehlt der Glaube;
Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.-
Da klang so ahnungsvoll des Glocketones Fuelle,
Und ein Gebet war innbruenstiger Genuss;
Ein unbegreiflich holdes Sehnen
Trieb mich, durch Wald und Wiesen hinzugehn,
Und unter tausend heissen Traenen
Fuehlt ich mir eine Welt entstehn.
...O toenet fort, ihr suessen Himmelslieder!
Die Traene quillt, die Erde hat mich wieder!

Vom Eise befreit sind Strom und Baeche
Durch des Fruehlings holden, belebenden Blick,
Im Tale gruenet Hoffnungsglueck;
Der alte Winter, in seiner Schwaeche,
Zog sich in die Berge zurueck.
Von dorther sendet er, fliehend, nur
Ohnmaechtige Schauer koernigen Eises
In Streifen ueber die gruene Flur;
Aber die Sonne duldet kein Weisses,
Ueberall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlt´s im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafuer.
Kehre dich um, von diesen Hoehen
Nach der Stadt zurueckzusehen.
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Haeuser dumpfen Gemaechern,
Aus Handwerks- und Gewerbes-Banden,
Aus dem Druck von Giebeln und Daechern,
Aus der Strassen quetschender Enge,
Aus der Kirche ehrwuerdiger Nacht,
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh, nur, sieh! Wie behend sich die Menge
Durch die Gaerten und Felder zerschlaegt,
Wie der Fluss, in Breit und Laenge,
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und bis zum Sinken ueberladen
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich hoere schon des Dorfes Getuemmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet gross und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich´s sein.

Gesundheit dem bewaehrten Mann
Dass er noch lange helfen kann.-

O, gluecklich, wer noch hoffen kann,
Aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen!
Was man nicht weiss, das eben braucht man,
Und was man weiss, kann man nicht brauchen.

Betrachte, wie in der Abendsonne-Glut
Die gruenumgebnen Huetten schimmern.
Sie rueckt und weicht, der Tag ist ueberlebt,
Dort eilt sie hin und foerdert neues Leben.
O dass kein Fluegel mich vom Boden hebt,
Ihr nach und immer nach zu streben!

Zwei Seelen wohnen, ach! In meiner Brust,
Die eine will sich von der andern trennen:
Die eine haelt, in derber Liebeslust,
Sich an die Welt mit klammernden Organen;
Die andere hebt gewaltsam sich vom Dust
Zu den Gefilden hoher Ahnen.

Entschlafen sind nun wilde Triebe
Mit jedem ungestuemen Tun,
Es reget sich die Menschenliebe,
Die Liebe Gottes regt sich nun.

Ach, wenn in unsrer engen Zelle
Die Lampe freundlich wieder brennt,
Dann wird´s in unserm Busen helle,
Zum Herzen, das sich selber kennt.
Vernunft faengt wieder an zu sprechen,
Und Hoffnung wieder an zu bluehn,
Man sehnt sich nach des Lebens Baechen,
Ach! Nach der Lebens Quelle hin.........
.....Wir lernen das Ueberirdische schaetzen,
Wir sehnen uns nach Offenbarung,
Die nirgends wuerd´ger und schoener brennt
Als in dem Neuen Testament.
Geschrieben steht: Im Anfang war das Wort!
Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort?
Ich kann das Wort so hoch unmoeglich schaetzen,
Ich muss es anders uebersetzen,
Wenn ich vom Gesite recht erleuchtet bin.
Geschrieben steht:Im Anfang war der Sinn.
Bedenke wohl die erste Zeile,
Dass deine Feder sich nicht uebereile!
Ist der Sinn, der alles wirkt und schafft?
Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft!
Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,
Schon warnt mich was, dass ich dabei nicht bleibe.
Mir hilft der Geist! Auf einmal seh´ich Rat
Und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat!

Das war also des Pudels Kern!

Die Hoelle selbst hat ihre Rechte?

Ich bin zu alt, um nur zu spielen,
Zu jung, um ohne Wunsch zu sein
.
Was kann die Welt mir wohl gewaehren?
Entbehren sollst du! Entbehren!
Das ist der ewige Gesang,
Der jedem an die Ohren klingt,
Den, unser ganzes Leben lang,
Uns heiser jede Stunde singt.

Hoer auf mit deinem Gram zu spielen,
Der wie ein Geier, dir am Leben frisst.

Was willst du armer Teufel geben?
War eines Menschen Geist, in seinem hohen Streben
Von deinesgleichen je gefasst?
Doch hast du Speise, die nicht saettigt, hast
Du rotes Gold, das ohne Rast,
Quecksilber gleich, dier in der Hand zerrinnt,
Ein Spiel, bei dem man nie gewinnt,
Ein Maedchen, das an meiner Brust
Mit Aeugeln schon dem Nachbar sich verbindet,
Die Ehre schoene Goetterlust,
Die, wie ein Meteor, verschwindet!
Zeig mir die Frucht, die fault, eh man sie bricht,
Und Baeume, die so taeglich neu begruenen!
(DER PAKT:
Faust zu Mephistopheles:)
Werd ich beruhigt je mich auf ein Faulbett legen,
So sei es gleich um mich getan!
Kannstu mich schmeichelnd je beluegen,
Dass ich mir selber gefallen mag,
Kannst du mich mit Genuss bertruegen-
Das sei fuer mich der letzte Tag!
Die Wette biet ich!
(Mephistopheles): Topp!
Faust: Und Schlag auf Schlag!
Verweile doch! Du bist so schoen!
Dann magst du mich in Fesseln schlagen,
Dann will ich zugrunde gehn!
Dann mag die Totenglocke schallen,
Dann bist du deines Dienstes frei,
Die Uhr mag stehn, der Zeiger fallen,
Es sei die Zeit fuer mich vorbei!

(Mephistopheles): Blut ist ein ganz besondrer Saft.

Nur vor einem ist mir bang:
Die Zeit ist kurz, die Kunst ist lang.

Du bist am Ende – was du bist.

Ich fuehls, vergebens hab ich alle Schaetze
Des Menschengeists
auf mich herbeigerafft,
Und wenn ich mich am Ende niedersetzte,
Quillt innerlich doch keine neue Kraft;
Ich bin nicht um eine Haarbreit hoeher,
Bin dem Unendlichen nicht naeher.

Drum frisch! Lass alles Sinnen sein,
Und grad mit in die Welt hinein!

Gebraucht der Zeit, sie geht so schnell von hinnen,
Doch Ordnung lehrt Euch Zeit gewinnen.

Der Philosoph, der tritt herein
Und beweist Euch, es muesst so sein:
Das Erst waer so, das Zweite so,
Und drum das Dritt und Vierte so,
Und wenn das Erst und Zweit nicht waer,
Das Dritt und Vierte waer nimmermehr.

Was man Schwarz auf Weiss besitzt,
Kann man getrost nach Hause tragen.

Es erben sich Gesetz und Rechte
Wie eine ewge Krankheit fort,
Sie schleppen von Geschlecht sich zum Geschlechte
Und ruecken sacht von Ort zu Ort.
Vernunft und Unsinn, Wohltat Plage;
Weh dir, dass du ein Enkel bist!
Vom Rechte, das mit uns geboren ist,
Von dem ist leider! Nie die Frage.

Mit Worten laesst sich trefflich streiten,
Mit Worten ein System bereiten,
An Worte laesst sich trefflich glauben,
Von einem Wort laesst sich kein Jota rauben.

Grau, teurer Freund, ist alle Theorie,
Und gruen des Lebens goldner Baum.

Sobald du dir vertraust, so bald weisst du zu leben.

Den Teufel spuert das Voelkchen nie,
Un wenn er sie beim Kragen haette.

Begib dich gleich hinaus aufs Feld
Fang an zu hacken und zu graben,
Erhalte dich und deinen Sinn
In einem ganz beschraenkten Kreise,
Ernaehre dich mit ungemischter Speise,
Leb mit dem Vieh als Vieh und acht es nicht fuer Raub,
Den Acker, den du ernteste, selbst zu duengen;
Dass ist das beste Mittel, glaub ,
Auf achtzig Jahr dich zu verjuengen!

(klingt ganz nach Rousseau "zurueck zur Natur" oder zu den Ideen, die Tolstoi echt ausgekostet hat. Claudio Gaebler)

Ists moeglich, ist das Weib so schoen?
Muss ich an diesem hingestreckten Leibe
Den Inbegriff von allen Himmeln sehn?
So etwas findet sich auf Erden?

Wenn Gott sich erst sechs Tage plagt
Und selbst am Ende Bravo sagt,
Da muss es was Gescheiten werden.

Nach Golde draengt,
Am Golde haengt,
Doch alles. Ach, wir Armen!

Die Kirche hat einen guten Magen,
Hat ganze Laender aufgefressen
Und doch noch nie sich uebergessen;
Die Kirch allein, meine lieben Frauen,
Kann ungerechtes Gut verdauen.

So ein verliebter Tor verpufft,
Euch Sonne, Mond und alle Sterne,
Zum Zeitvertreib den Liebchen in die Luft.

Ihr Mann ist tot und laesst Sie gruessen.

Die hielte woht dem Teufel selbst beim Wort.

Mit Frauen soll man sich nie unterstehn zu scherzen.

Erhabner Geist, du gabst mir, gabst mir alles,
Worum ich bat. Du hast mir nicht umsonst
Dein Angesicht im Feuer zugewendet.
Gabst mir die herrliche Natur zum Koenigreich,
Kraft, sie zu fuehlen, zu geniessen.
Nicht
Kalt staunenden Besuch erlaubst du nur,
Vergoenntest mir, in ihre tiefe Brust,
Wie in den Busen eines Freunds, zu schauen,
Du fuehrst die Reihe der Lebendigen
Vor mir vorbei und lehrst mich meine Brueder
Im stillen Busch, in Luft und Wasser kennen.

(klingt schon etwas nach der Ehrfurcht vor dem Leben Albert Schweitzers, nicht wahr? C.Gaebler)

Und wenn der Sturm im Walde braust und knarrt,
Die Riesenfichte, stuerzend, Nachbaraeste,
Und Nachbarstaemme quetschend niederstreift
Und ihrem Fall dumpf hohl der Huegel donnert,
Dann fuehrst du mich zur sichern Hoehle, zeigst
Mich dann mir selbst, und meiner eignen Brust
Geheime tiefe Wunder oeffnen sich.
Und steigt vor meinem Blick der reine Mond
Besaenftigend herueber, schweben mir
Von Felsenwaenden, aus dem feuchten Busch
Der Vorwelt silberne Gestalten auf
Und lindern der Betrachtung strenge Last.

Er facht in meiner Brust ein wildes Feuer
Nach jenem schoenen Bild geschaeftig an.
So tauml ich von Begierde zu Genuss,
Und im Genuss verschmacht ich nach Begierde.

Was ist die Himmelsfreud in ihren Armen?
Lass mich an ihrer Brust erwarmen-
Fuehlt ich nicht immer ihre Not?
Bin ich der Fluechtling nicht? Der Unbehauste?
Der Unmensch ohne Zweck und Ruh,
Der wie ein Wassersturz vom Fels zu Felsen brauste,
Begierig wuetend, nach dem Abgrund zu?

(Gretchen)
Mein Ruh ist hin,
Mein Herz ist schwer,
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr.

Wo ich ihn nicht hab,
Ist mir das Grab,
Die ganze Welt
Ist mir vergaellt.
Mein armer Kopf
Ist mir verrueckt,
Mein armer Sinn
Ist mir zerstueckt.
Meine Ruh ist hin,
Mein Herz ist schwer,
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr.

Nach ihm nur schau ich
Zum Fenster hinaus,
Nach ihm nur geh ich
Aus dem Haus.

Sein hoher Ganz,
Sein edle Gestalt,
Seines Mundes Laecheln,
Seiner Augen Gewalt,

Und seiner Rede
Zauberfluss,
Sein Haendedruck,
Und ach, sein Kuss!

Meine Ruh ist hin,
Mein Herz ist schwer,
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr.

Mein Busen draengt
Sich nach ihm hin,
Ach duerft ich fassen
Und halten ihn.

Und kuessen ihn,
So wie ich wollt,
An seinen kuessen
Vergessen sollt!

Nenn s Glueck! Herz! Liebe! Gott!
Ich habe keinen Namen
Dafuer! Gefuehl ist alles!

Seh ich dich, bester Mann, nur an,
Weiss nicht, was mich nach deinem Willen treibt;
Ich habe schon so viel fuer dich getan,
Dass mir zu tun fast nichts mehr uebrig bleibt.

Die Maedels sind doch sehr interessiert,
Ob einer fromm und schlicht nach altem Brauch.
Sie denken: duckt er da, folgt er uns eben auch.


FAUST: ZWEITER TEIL
Ein Richter , der nicht strafen kann,
Gesellt sich endlich zum Verbrechen.

Entschluesse sind nicht zu vermeiden;
Wenn alle schaedigen, alle leiden,
Geht selbst die Majestaet zu Raub.


Wir haben soviel Rechte hingegeben,
Dass uns auf nichts ein Recht mehr uebrig bleibt.

Ein jeder kratzt und scharrt und sammelt,
Und unsre Kassen bleiben leer.

Wir wollen alle Tage sparen
Und brauchen alle Tage mehr.

Das ist ein Schalk – Ders wohl versteht –
Er luegt sich ein – Solang es geht -
Ich weiss schon – Was dahinter steckt –
Und was kommt weiter? – Ein Projekt.

Wo fehlts nich irgenwo auf dieser Welt?
Dem dies, dem das, her aber fehlt das Geld.

Was ihr nicht tastet, steht euch meilenfern,
Was ihr nicht fasst, das fehlt euch ganz und gar,
Was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr,
Was ihr nicht waegt, hat fuer Euch kein Gewicht,
Was ihr nicht muenzt, das, meint ihr, gelte nicht.

(Kann man gut und gern fuer jeden so haeufigen Materialisten anwenden, nicht zu vergessen fuer die meisten Wirtschaftsminister usw. Claudio Gaebler)

Zwar ist es leicht, doch ist das Leichte schwer;
Es liegt schon da, doch um es zu erlangen,
Das ist die Kunst, wer weiss es anzufangen?

Ja! Wenn zu Sol sich Luna fein gesellt,
Zum Silber Gold, dann ist es heitre Welt;
Das uebrige ist alles zu zu erlangen:
Palaeste, Gaerten, Bruestlein, rote Wangen
.

(Mit Reichtum laesst sich einiges leichter besorgen. Was solls! Wie man in Argentinien sagt: La plata no hace la felicidad, pero ayuda!)

Maessige solch dringendes Begehren,
Lasst erst vorbei das bunte Freudenspiel;
Zerstreutes Wesen fuehrt uns nicht zum Ziel.
Erst muessen wir in Fassung uns versuehnen,
Das Untre durch das Obre verdienen.
Wer Gutes will, der sei erst gut;
Wer Freude will, besaenftige sein Blut;
Wer Wein verlangt, der keltre reife Trauben;
Wer Wunder hofft, der staerke seinen Glauben
.

Wie sich Verdienst und Glueck verketten,
Das faellt den Toren niemals ein;
Wenn sie den Stein der Weisen haetten,
Der Weise mangelde dem Stein.

Das Naturell der Frauen
Ist so nah der Kunst verwandt.

Was hilft es euch? Ihr werdet uns vertrauen,
Denn wir sind huebsch und jung und Schmeichelkaetzchen.

Wie doch der Schelm so viel verheisst
Und nur verleiht, was golden gleisst!

Vom Leibe mir, ekles Weibsgeschlecht!
Ich weiss, dir komm ich niemals recht
Als in allerneusten Jahren
Das Weib nicht mehr gewohnt zu sparen
Und , wie ein jeder boeser Zahler,
Weit mehr Begierden hat als Taler,
Da bleibt dem Manne viel zu dulden,
Wo er nur hinsieht, da sind Schulden.

Gesetz ist maechtig, maechtiger ist Not.

Bringen wir das Gold zutag,
Damit man stehlen und kuppeln matg,
Nicht Essen fehle dem stolzen Mann,
Der allgemeinen Mord ersann.
Und wer die drei Gebot verachtet,
Sich auch nicts aus den anern macht.

Ich dacht in meinem Leben
Vom schoensten Glueck Verkuendung nicht zu geben
Als diese, die mich hoch beglueckt,
In deiner Gegenwart entzueckt:
Rechnung fuer Rechnung ist berichtigt,
Die Wucherklauen sind beschwichtigt,
Los bin ich solcher Hoellenpein;
Im Himmel kanns nicht heitrer sein.

Ein solch Papier, an Gold und Perlen statt,
Ist so bequem, man weiss doch, was man hat;
Kann sich nach Lust in Lieb un Wein berauschen.
Will man Metall, ein Wechsler ist bereit,
Und fehlt es da, so graebt man eine Zeit.
Pokal und Kette sin verauktioniert,
Beschaemt dn Zweifler, der uns frech verhoehnt.
Man will nichts anders, ist daran gewoehnt.
So bleibt von nun an allen Kaiserlanden
An Kleinod, Gold, Papier genug vorhanden.

Ich hoffte Lust und Mut zu neuen Taten;
Doch wer euch kennt, der wird euch leicht erraten,
Ich merk es wohl: bei aller Schaetze Flor,
Wie ihr gewesen, bleibt ihr nach wie vor.

Erst haben wir ihn reich gemacht,
Nun sollen wir ihn amuesieren.
Muesst ich nicht mit der Welt verkehren?
Das Leere lernen, Leeres lehren?

Im Grenzenlosen...
Was einmal war, in allem Glanz und Schein,
Es regt sich dort; denn es will ewig sein.

Dame:
Ich merke schon, sie nimmt ihn in die Lehre;
In solchen Fall sind alle Maenner dumm,
Er glaubt wohl auch, dass er der Erste waere.

Gelegentlich nimmt jeder sich das Beste;
Ich hielte mich an diese schoenen Reste.

Mit Narren sich beladen,
Das kommt zuletzt dem Teufel selbst zu Schaden.

Auch ein gelehrter Mann
Studiert so fort, weil er nicht anders kann.
So baut man sich ein muessig Kartenhaus,
Der groesste Geist bauts doch nicht voellig aus.

Nun, da laesst sich endlich hoffen,
Dass nicht, wie bisher, im Moder
Der Lebendige wie ein Toter
Sich verkuemmere, sich verderbe
Und am Leben selber sterbe.

Die Raupe schon, die Chrysalide deutet
Den kuenftigen bunten Schmetterling.

Wenn man der Jugend reine Wahrheit sagt,
Die gelben Schnaebeln keineswegs behagt,
Sie aber hintendrein nach Jahren
Das alles derb an eigner Haut erfahren,
Dann duenkelte sie, es daem aus eignem Schopf;
Da heisst es denn: der Meister war ein Tropf.

Das ist der Jugend edelster Beruf!
Die Welt, sie war nicht, eh ich sie erschuf;

Die Sonne fuehrt ich aus dem Meer herauf;
Mit mir begann der Mond des Wechsels Lauf;
Da schmueckte sich der Tag auf meinen Wegen,
Die Erde gruente, bluehte mir entgegen.
Auf meinen Wink, in jener ersten Nacht,
Entfaltete sich aller Sterne Pracht.
Frei, wie mirs im Geiste spricht,
Verfolge froh mein innerliches Licht
Und wandle rasch, im eigensten Entzuecken
Das Helle vor mir, Finsternis im Ruecken.

Was wuerde dich die Einsicht kraenken:
Wer kann was Dummes, wer was Kluges denken,
Das nicht die Vorwelt schon gedacht?

(Homunculus):
Natuerlichen genuegt der Weltraum kaum,
Was kuenstlich ist, verlangt geschlossenen Raum.

Das Trallern ist bei mir verloren:
Es krabbelt wohl in meinen Ohren,
Allein zum Herzen dringt es nicht.

Den Arzt, der jede Pflanze nennt,
Die Wurzeln bis ins Tiefste kennt,
Dem Kranken Heil, dem Wunden Lindrung schafft,
Umarm ich hier in Geist- und Koerperkraft!

(Mephistopheles:)
Hier dachte ich lauter Unbekannte
Und finde leider Nahverwandte;
Es ist ein altes Buch zu blaettern:
Vom Harz bis Hellas immer Vettern!

Wenn du nicht irrst, kommst du nicht zu Verstand.
Willst du entstehn, entsteh auf eigne Hand!

(Thales:) Nie war Natur und ihr lebendiges Fliessen
Auf Tag und Nacht und Stunde angewiesen.
Sie bildet regelnd jegliche Gestalt,
Und selbst im Grossen ist es nicht Gewalt.

Thales: Mit Kleinen tut man kleine Taten,
Mit Grossen wird der Kleine gross.

Man denkt an das, was man verliess;
Was man gewohnt war, bleibt ein Paradies.

Drueck ein Auge zu.

Sinds Menschenstimmen, die mein Ohr vernimmt?
Wie es mir gleich im tiefsten Herzen grimmt!
Gebilde, strebsam, Goetter zu erreichen,
Und doch verdammt, sich immer selbst zu gleichen!

Was Rat! Hat Rat bei Menschen je gegolten?
Ein kluges Wort erstarrt im harten Ohr.
So oft auch Tat sich grimmig selbst gescholten,
Bleibt doch das Volk selbstwillig wie zuvor.

Thales: Das ist es ja, was man begehrt:
Der Rost macht erst die Muenze wert.

Es fragt um Rat und moechte gern entstehen.

Da faengt man erst im kleinen an
Und freut sich, Kleinste zu verschlingen,

Man waechst so nach und nach heran
Und bildet sich zu hoeheren Vollbringen.

Gib nach dem loeblichen Verlangen,
Von vorn die Schoepfung anzufangen!
Zu raschem Wirken sei bereit!
Da regst du dich nach ewigen Normen,
Durch tausend, abertausend Formen,
Und bis zum Menschen hast du Zeit.

Komm geistig mit in feuchte Weite,
Da lebst du gleich in Laeng und Breite,
Beliebig regest du dich hier;
Nur strebe nicht nach hoehern Orden:
Denn bist du erst ein Mensch geworden,
Dann ist es voellig aus mit dir.

Nachdem es kommt; s ist auch wohl fein,
Ein wackrer Mann zu seiner Zeit zu sein.

Hoch ist der Doppelgewinn zu schaetzen:
Barmherzig sein und sich zugleich ergetzen.

Aufs neue!
Wie ich mich bluehend freue,
Von Schoenen, Wahren durchdrungen—
Alles ist aus dem Wasser entsprungen!!
Alles wird durch das Wasser erhalten!
Ozean, goenn uns dein ewiges Walten.

Gutes und Boeses kommt
Unerwartet dem Menschen;
Auch verkuendet, glauben wirs nicht.

Dem Klugen, Weitumsichtigen zeigt fuerwahr sich oft
Unmoegliches noch als moeglich.

(Faust:) Das ist gar leicht, es muss von Herzen gehn.
Und wenn die Brust von Sehnsucht ueberfliesst,
Man sieht sich um und fragt-
(Helena:) wer mitgeniesst.
(Faust:) Nun schaut der Geist nicht vorwaerts, nicht zurueck,
Die Gegenwart allein-

(Helena:) ist unser Glueck.

Ich fuehle mich so fern und doch so nah,
Und sage nur zu gern: Da bin ich! Da!

Nur der verdient die Gunst der Frauen,
Der kraeftigst sie zu schuetzen weiss.
(ein Maccho? C.G.)

Schmeicheln wohl gewann er sich,
Was auf Erden das Hoechste;
Aber ruhig bestitz ers nicht

Ein jeder ist auf seinem Platz unsterblich
(erinnert an die Einleitung im Demian H. Hesses, nicht wahr?C. Gaebler)

Es muss von Herzen gehen,
Was auf Herzen wirken soll.
("desde el alma", wuerde man in Argentinien sagen, C.Gaebler)

Lass der Sonne Glanz verschwinden,
Wenn es in der Seele tagt,
Wie im eignen Herzen finden,
Was die ganze Welt versagt.

(Helena und Faust):
Baendige, baendige
Eltern zuliebe
Ueberlebendige,
Heftige Triebe!

(Euphorion):
Immer hoeher muss ich steigen
Immer weiter muss ich schaun.

Wer im Frieden
Wuenscht sich Krieg zurueck,
Der ist geschieden
Vom Hoffnungsglueck.

(Helena und Faust): (zu ihrem Sohn):
Kaum ins Leben eingerufen,
Heitrem Tag gegeben kaum,
Sehnest du von Schwindelstufen
Dich zu schmerzenvollem Raum.
Sind denn wir
Gar nichts dir?
Ist der holde Bund ein Traum?

Ich sage Fraun; denn ein fuer allemal
Denk ich die Schoenen im Plural.

Die Tat ist alles, nichts der Ruhm.

Bald ist ein grosses Gut zerronnen,
Es rauscht im Lebenstrom hinab.
Zwar nehmen ist rech gut, doch besser ists, behalten.

Die Menge schwankt im ungewissen Geist,
Dann stroemt sie nach, wohin der Strom sie reisst.

Sich seltst erhalten bleibt der Selbsucht Lehre,
Nicht Dankbarkeit und Neigung, Pflicht und Ehre.

Am Freudentag, wenn wir die Gaeste gruessen,
Die heiter kommen, heiter zu geniessen,
Da freut uns jeder, wie er schiebt und draengt
Und Mann fuer Mann, der Saele Raum verengt.
Doch hoechst willkommen muss der Biedre sein,
Tritt er als Beistand kraeftig zu uns ein
Zur Morgenstunde, die bedenklich waltet,
Weil ueber ihr des Schicksals Wage schaltet.

Ich werd euch bei dem hohen Meister loben;
Wollt ihr Euch nun als Meister selbst erproben.

Die Jugend selbst, wenn man ihr nur vertraut,
Steht, eh man sich s versieht, zu Maennern auferbaut.

(Erzbischof):
Mit welchem bittern Schmerz find ich, in dieser Stunde,
Dein hochgeheiligt Haupt mit Satanas im Bunde!
Zwar, wie es scheinen will, gesichert auf dem Thron,
Doch leider! Gott dem Herrn, dem Vater Papst zum Hohn.

(Leider immer noch sehr aktuell in vielen Faellen. "Unkraut vergeht nicht".C.G.)

Kluger Herren kuehne Knechte
Gruben Graeben, daemmten ein,
Schmaelerten des Meeres Rechte
,
Herrn an seiner Statt zu sein.

(klingt wie ein Hommage an die Niederlande oder Holland, wo die argentinische Prinzessin heutzutage waltet)

Das freie Meer befreit den Geist

Man hat Gewalt, so hat man Recht.
(leider immer noch sehr aktuell. C.G.)

Mit ernster Stirn, mit duesterm Blick
Vernimmst du dein erhaben Glueck.
Die hohe Weisheit wird gekroent,
Das Ufer ist dem Meer versoehnt;
Vom Ufer nimmt, zu rascher Bahn,
Das Meer die Schiffe willig an.

So sind am haertsten wir gequalt,
Im Reichtum fuehlend, was uns fehlt.

Das Widerstehn, der Eigensinn
Verkuemmern herrlichsten Gewinn,
Dass man, zu tiefer, grimmiger Pein,
Ermueden muss, gerecht zu sein.

Zum Sehen geboren,
Zum Schauen bestellt,
Dem Turme geschworen,
Gefaellt mir die Welt.
Ich blick in die Ferne,
Ich seh in der Naeh
Den Mond und die Sterne,
Den Wald und das Reh.
So seh ich in allen
Die ewige Zier,
Und wie mirs gefallen,
Gefall ich auch mir.
Ihr gluecklichen Augen,
Was je ihr gesehn,
Es sei wie es wolle,
Es war doch so schoen!

Die Sorge, sie schleicht sich durs Schluesselloch ein.

Stuend ich, Natur, vor dir ein Mann allein.
Da waers der Muehe wert, ein Mensch zu sein.

Das war ich sonst, eh ichs im Duestern suchte,
Mit Frevelwort mich und die Welt verfluchte.
Nun ist die Luft von solchem Spuk so voll,
Dass niemand weiss, wie er ihn meiden soll.
Wenn auch ein Tag uns klar vernuenftig lacht,
Im Traumgespinst verwickelt uns die Nacht
;
Wir kehren froh von junger Flur zurueck,
Ein Vogel kraechzt, was kraechzt er? Missgeschick.
Von Aberglauben frueh und spat umgarnt:
Es eignet sich, es zeigt sich an, es warnt.
Und so verschuechtert, stehen wir allein.
Die Pforte knarrt, und niemand kommt herein.

Ich habe nur begehrt un nur vollbracht
Und abermals gewuenscht und so mit Macht
Mein Leben durchgestuermt; erst gross und maechtig,
Nun aber geht es weise, geht bedaechtig.

Dem Tuechtigen ist diese Welt nicht stumm.
Was braucht er in die Ewigkeit zu schweifen!
Was er erkennt, laesst sich ergreifen.

Sorge:
Wen ich einmal mir besitze,
Dem ist alle Welt nichts nuetze;
Ewiges Duestre steigt herunter,
Sonne geht nicht auf noch unter,
Bei vollkommen aeussern Sinnen
Wohnen Finsternisse drinnen
Und er weiss von allen Schaetzen
Sich nicht in Besitz zu setzen.

Glueck und Unglueck wird zur Grille,
Er verhungert in der Fuelle;
Sei es Wonne, sei es Plage,
Schiebt ers zu dem andern Tage,
In der Zukunft nur gewaertig,
Und so wird er niemals fertig.
Soll er gehen, soll er kommen?
Der Entschluss ist ihm genommen;
Auf gebahnten Weges Mitte
Wankt er tastend halbe Schritte,
Er verliert sich immer tiefer,
Siehet alle Dinge schiefer,
Sich und andre laestig drueckend,
Atem holend und erstickend;
Nicht erstickt und ohne Leben,
Nicht verzweifelnd, nicht ergeben.
Bald Befreien, bald Erdruecken,
Halber Schlaf und schlecht Erquicken
Heftet ihn an seine Stelle
Und bereitet ihn zur Hoelle
.

Dass sich das groesste Werk vollende,
Genuegt ein Geist fuer tausend Haende.

Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der taeglich sich erobern muss.

Solch ein Gewimmel moecht ich sehn,
Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.

Faust:
Im Augenblicke duerft ich sagen:
Verweile doch, du bist so schoen!
Im Vorgefuehl von solchem hohen Glueck
Geniess ich jetzt den hoechsten Augenblick.
Mephistopheles:
Ihn saettigt keine Lust, ihm gnuegt kein Glueck,
So buhlt er fort nach wechselnden Gestalten;
Den letzten, schlechten, leeren Augenblick,
Der Arme wuenscht ihn festzuhalten.
Vorbei und reines Nicht, volkommnes Einerlei!
Was soll uns denn das ewge Schaffen!
Geschaffenes ist nicht hinwegzuraffen!
Da ists vobei! Was ist daran zu lesen?
Es ist so gut, als waer es nicht gewesen,
Und treibt sich doch im Kreis, al wenn es waere.
...hat man jetzt so viele Mittel,
dem armen Teufel Seelen zu entziehen.
...Uns geht s in allen Dingen schlecht!
Herkoemmliche Gewohnheit, altes Recht,
Man kann auf gar nichts mehr vertrauen.
...und wenn ich Tag un Stunden mich zerplage,
wann? Wie? Und wo? Das ist die leidige Fragen;
der alte Tod verlor die rasche Kraft,
das Ob? Sogar ist lange zweifelhaft.
...In Winkeln bleibt noch vieles zu entdecken,
so viel Erschreckliches im engsten Raum!
Ihr tut sehr wohl, die Suender zu erschrecken
Sie haltens doch fuer Lug und Trug und Traum.
..Mephisto zu den Engeln:
Ihr seid so huebsch, fuerwahr ich moecht euch kuessen,
Mir ists, als kaemt ihr eben recht.
Mir ists behaglich, so natuerlich,
Als haett ich euch schon tausendmal gesehn,
So heimlich-kaetzchehaft begierlich;
Mit jedem Blick aufs neue schoener schoen.
O naehert euch, o goennt mir einen Blick.
...Und hat mich diesem kindisch-tollen Ding
der Klugerfahrne sich beschaeftigt,
so ist fuerwahr die Torheit nicht gering
die seiner sich am Schluss bemaechtigt.

(Und Faustens Unsterbliches rettet sich doch:)
"Wer immer strebend sich bemueht,
den koennen wir erloesen".
Und hat an im die Liebe gar
Von oben teilgenommen,
Begegnet ihm die selige Schar
Mit herzlichem Willkommen.

(zur Himmelskoenigin):
Dir, der Unberuehbaren,
Ist es nicht benommen,
Dass die leicht Verfuehrbaren
Traulich zu dir kommen.
In die Schwachheit hingerafft,
Sind sie schwer zu retten,
Wer zerreisst aus eigner Kraft
Der Gelueste Ketten?

(ehemalige Gretchen:)
Vom edlen Geisterchor umgeben,
Wird sich der Neue kaum gewahr;
Er ahnet kaum das frische Leben,
So gleicht er schon der heiligen Schar.
Sieh! Wie er jedem Erdenbande
Der alten Huelle sich entrafft
Und aus aetherischem Gewande
Hervortritt erste Jugendkraft!

(also: Faust rettet sich doch !!! C.G.)

Wieviele haben es schon erreicht, auch Faust II zu lesen? Wenn diese Auswahl es erwirkt hat, den kompletten Text doch anzugreifen, haette ich meine Schuldigkeit getan. Es war ein Gefuehl wie Weihnachten, als Junge einmal im Jahr den Faust auf Platte zuhause zu hoeren, waehrend ich nebenbei spielte. Andaechtig hoerten meine Eltern zu und wie die Muttermilch schien es mir immer was Besonderes zu sein. Jetzt, wo ich es etwas besser verstehe, und ich mich auch an Faust II gewagt habe, fuehle ich eine grosse innere Ruhe. Wir haben alle was vom Faust, oder jedenfalls einige von uns. Auch in mir wohnen, oh ach zwei Seelen in meiner Brust... und ich suche immer noch...Gerne hoere ich Meinungen uber Goethe und dem Faust.

Mails sind erwuenscht! 


CLAUDIO GAEBLER
claudiogaebler@fibertel.com.ar
 
Buenos Aires - Argentina

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